Montag, 2. Januar 2017

Das fängt ja gut an: Mantel mit Fellkragen zum Jahresbeginn

So begann das Jahr ganz nach meinem Geschmack: den ganzen 1.1. tat ich nichts, als endlich mal wieder zu nähen und einen Mantel fertigzustellen, der seit Wochen auf meiner Schneiderpuppe hing.

Vielleicht ist der einen oder anderen aufgefallen, dass ich nicht nur den Wintermantel-Sew-Along, sondern sogar auch den Weihnachtskleid-Sew-Along mit gerade mal einem Post bedacht habe und dann sang- und klanglos abgetreten bin. Ich kam einfach nicht zum Nähen.
Die Weihnachtsgala meines Lieblingslokals besuchte ich in diesem Jahr zum ersten Mal in Kaufklamotten - und fühlte mich wirklich ganz schrecklich durchschnittlich, kann ich Euch sagen.

Aber genug geheult, die Zeiten haben sich seit letztem Jahr eben geändert, und ich habe weder ein eigenes Zimmer zum Nähen und muss auf das Schlafzimmer ausweichen (wo ich eben ein Projekt nicht mal eben tagelang liegenlassen kann, um bei einem Zeitfenster kurz mal daran weiterzuarbeiten - Leidensgenossinnen wissen sicher, was ich meine), noch wirft mein Leben viel Nähzeit ab. 
Die Arbeit ist mehr geworden und insgesamt wird das Leben immer schneller, in allen Bereichen.
Da ist der meditative Rückzug mithilfe der Näherei zwar anzustreben, aber leider nicht immer machbar.
Ich möchte mich außerdem hier in aller Form entschuldigen, dass ich so gut wie gar nicht mehr kommentiere in anderen Blogs. Das hängt damit zusammen, dass ich nur noch sporadisch zum Bloglesen komme, und ich fürchte, daran wird sich in diesem Jahr nicht sehr viel ändern.
Mir ist klar, dass das einem Rückzug aus der Community gleichkommt, aber der ist nicht so beabsichtigt. Ich möchte weiter nähen und die genähte Kleidung verbloggen, und wenn das jemanden interessiert, freut es mich. Das Kommentarfeld lasse ich nach kurzer Überlegung weiterhin aktiviert, weil ich weiß, wie es ist, wenn man ehrlich und gern kommentieren möchte aber nicht kann, weil die Funktion ausgeschaltet ist. 
Nur Sew-Alongs und Me-Made-Mittwoch und so muss ich glaube ich skippen, weil es nicht fair ist, wenn man bei diesen gemeinschaftlichen Aktionen nicht kommentiert, so ist das glaube ich einfach nicht gedacht. 
Und wenn es meine Zeit zwischendurch erlaubt, lese ich mit Vergnügen über alles, was sich bei anderen tut.

Vielleicht ändert sich das alles mal wieder, aber gerade fühlte ich, dass ich dieses Thema zu Beginn des Jahres kommunizieren möchte.

Jetzt aber zum wirklich Interessanten!


Ich hatte bei meiner großspurigen Ankündigung zum Wintermantel-Sew-Along einen Stoff vorgestellt, den mir die tolle Wiebke mal auf dem Maybachufer-Markt gekauft und geschickt hat, weil sie fand, der Stoff würde mir so entsprechen... ich bin immer noch ganz gerührt von dieser Aktion. 
Dieser Stoff ist ein wunderbarer schwerer  Wollstoff mit eingewebtem Muster, Wiebke hat ihn HIER zu einem Rock vernäht.
Anstatt auf einen original-Schnitt aus einer 70er-Burda zurückzugreifen, entschied ich mich, die Jacke Nr. 119 aus der Oktober-Burda 2016 zu nähen.

Ich fügt wie immer im Oberteil 2cm Länge zu, und hätte das auch bei den Ärmeln tun sollen, wie sich nun herausstellt, aber nun ja. Ansonsten bin ich mit dem Schnitt sehr zufrieden!

Der Mantel hat einen sehr schönen leicht ausgestellten Schnitt mit einer hinteren Schulterpasse, die hier mit dem Muster natürlich total untergeht. Immerhin habe ich es geschafft, den Musterverlauf so zuzuschneiden und zu nähen, dass alles einigermassen gerade aussieht und nicht total versetzt liegt.


Die Paspeltaschen sind etwas tricky, wenn auch eigentlich nicht viel anders als normale Paspeltaschen. Wahrscheinlich war ich einfach nur zu blöd für die Anleitung, aber die erste Paspeltasche versemmelte ich komplett, sodass ich das ganze Vorderteil neu zuschneiden musste.
Zum Glück hatte ich noch genügend Stoff.


Gefüttert habe ich mit Steppfutter (außer in den Ärmeln, dort mit normalem Futter).
Sibylles Hexenbuckel im Gedächtnis (hihi, sorry, Liebste), verzichtete ich auf die Bewegungsfalte in der Rückenmitte. Eine von uns muss halt den ganzen Scheiß erst durchmachen, damit die anderen daraus lernen können.


Die Paspeln und den oberen Reverskragen habe ich aus einem Wildlederimitat genäht, welches ich HIER schon einmal zu einem Mantel verarbeitet habe. Es passte farblich ganz gut zu dem Wollstoff, und da ich mir Paspelnähen aus dem schönen aber fransigen Wollstoff ersparen wollte und auch fand, dass der Reverskragen mit dem großen Muster nicht so gut zur Geltung kommt, entschied ich mich zu dieser anfänglich etwas wild-westlich anmutenden Variante.


Der eigentliche Plan aber war - wie auch in dem Schnitt von Burda vorgesehen - einen abnehmbaren Fellkragen dazu zu nähen. Ich habe von meiner Nachbarin einmal mehrere alte Krägen und Felle geschenkt bekommen, und ein Stück davon passte von der Größe ungefähr zum Schnitt.
Allerdings traute ich mich an die Pelzverarbeitung nicht ganz ran und beauftragte einen ortsansässigen Kürschner, mir den Kragen nach dem Schnittteil zu fertigen. Ich zahlte meiner Meinung nach angemessene 80,- Euro, und das gute Gefühl, so altes Handwerk und lokales Geschäft zu fördern, gab´s gratis dazu. So sieht das gute Stück aus:


Gefüttert wurde der Kragen mit einem Stoff, den ich mitgab, das ist ein normaler Futterstoff aus Viskose. Die Ecken hat der Kürschner drangenäht, die olle Knopfleiste, die mit der Hand mehr schlecht als recht nachträglich angetackert wurde, ist natürlich von mir.



 An den Kragensteg des Mantels habe ich kleine Knöpfe angenäht, und dann ist es gar kein Problem, den Fellkragen über die Ecken des Reverskragens zu ziehen und anzuknöpfen.
Das hält wunderbar so, ich habe den Mantel heute bereits ausgeführt.




Und so stolzierte ich heute in die Stadt durch zarten Schnee (-matsch).
Danke, liebste Wiebke, ich habe durch Dich ein neues Lieblingsstück!



Euch allen ein gutes, gesundes und großzügiges Neues Jahr! 

Liebe Grüße,
Nastjusha