Donnerstag, 22. Oktober 2015

Projektvorstellung Hosenanzug und Verarbeitung von Samt

Seit letztem Frühjahr oder Sommer geistert das Projekt Samt-Hosenanzug durch meinen Kopf, und Schuld hat dieser Hosenanzug von Pucci aus der Ready-To-Wear-Kollektion vom Herbst 2014:

Quelle: Vogue

Ich machte mich auf die Suche nach Samt und wurde schließlich während eines Berlin-Aufenthaltes im Hüco fündig, gemeinsam mit Yvonne, die mich darin bestärkte, es mit diesem Mammut-Projekt aufzunehmen. Dort fand ich also einen dunkelgrünen Samt (60% BW, 40% Modal), der seither in meiner Stoffkommode lag und mich jedesmal vorwurfsvoll ansah, wenn ich diese öffnete.
Dazu gab es das passende Futter:


Als Schnittmuster habe ich den Longblazer vom Hosenanzug aus der Burda 03/2015 Modell 112 C gewählt, die Hose ist eine Mischung aus Burda 03/2015 und easy fashion F/S 2009. Hier kann man das Probemodell sehen.


Ursprünglich wollte ich daraus einen doppelreihigen mit anderem Kragen machen, aber das war mir doch zuviel Aufwand, ich belasse es bei diesem Schnitt.

Mit Lagerung von Samt ist es ja so eine Sache. Normalerweise soll man ihn auf eine Rolle aufwickeln. Ich hatte schreckliche Angst, mit der normalen Faltung auf Dauer Knicke reinzubringen, die nicht mehr auszubügeln sind. Überhaupt schwante mir, dass Samt eine Diva ist in der Verarbeitung, und ich suchte nach Kniffen und Verarbeitungstipps.

Da ich während des Zuschnitts trotz Aufpassens einen groben Fehler gemacht habe, werde ich für euch hier eine kleine Zusammenfassung von Verarbeitungstechniken für Samt aufschreiben (soweit recherchiert - weitere Tipps sind willkommen!) und hoffe, dass sich damit alles auch bei mir so einprägt, dass das gute Stück von weiteren dummen Fehlern verschont bleibt.

Vorwaschen:
Samt darf nicht in der Waschmaschine gewaschen werden, er sollte nach Verarbeitung gereinigt werden, wenn er dreckig ist. Handwäsche ist notfalls möglich, dann darf der SToff aber nicht gewrungen oder gerieben werden, und danach sollte er einfach in ein Handtuch gelegt und das Wasser sehr vorsichtig ausgedrückt werden.
Burda meint hier, BW-Samt könne problemlos gewaschen werden, wenn man die linke Seite nach außen dreht. Ich denke, das werde ich nicht wagen.

Zuschnitt:
Aufgepasst beim Auflegen der Schnittmusterteile mit der Strichrichtung des Flors!
Alle Teile müssen in die gleiche Richtung zugeschnitten werden. Samt ändert stark seine Farbintensität je nach Florrichtung.
Wenn mit der Strichrichtung zugeschnitten wird, also die Härchen in Richtung Saum/nach unten zeigen, ist es angenehm beim Streichen von oben nach unten. Fusseln lassen sich so besser entfernen, der Stoff wirkt heller und schillert etwas mehr.
Großer Nachteil: zieht man eine andere Klamotte über das so zugeschnittene und verarbeitete Samtteil, krabbelt die Samtkleidung nach oben.
Schneidet man gegen die Strichrichtung zu, was sich gehört (außer bei Pannesamt, da andersherum), streichelt man von oben nach unten gegen die Härchen. Das ist nicht so weich wie mit der Strichrichtung, der Stoff hat aber so einen dunkleren und satteren Farbton, und das Samtkleidungsstück krabbelt nicht hoch, wenn man etwas darüberzieht.

Rechts gegen die Strichrichtung, links mit der Strichrichtung nach unten hängend.  Der Farbton ist satt dunkelgrün, nicht so blaustichig.

Was hier so schlau geschrieben steht, habe ich gleich mal versemmelt. Ich wollte gegen den Strich zuschneiden, nun ist es aber doch mit dem Strich geworden. Das muss die Aufregung gewesen sein.
Auch ist hilfreich beim Zuschneiden zuerst alle Schnittteile aufzulegen und dann zuzuschneiden. So stellt man sicher, dass wirklich alle Schnittmusterteile in eine Richtung zeigen.
Ich habe den unteren Ärmel und die Klappentaschen beim zweiten Rutsch zugeschnitten, weil der Tisch zwischendurch gebraucht wurde und nun diese beiden Teile gegen den Strich zugeschnitten (es ist zum Haareraufen). Zum Glück habe ich noch 1,90m des Stoffs - neben der Hose muss ich diese Teile auch noch daraus quetschen.
Tja, und ob dann die Hose da, wo sie den Blazer berührt, hochkrabbelt, werden wir ja sehen... :-/

Bügeln:
Samt sollte mit wenig Druck und von der linken Seite gebügelt werden. Baumwollsamt kann mit hoher Hitze und Dampf gebügelt werden, Seiden-, Viskose- und Synthetiksamt mit mäßiger Hitze und ohne Dampf.
Damit die Härchen nicht plattgebügelt werden, empfiehlt sich eine rauhe haarige Unterlage. Das kann entweder ein Stück Samt sein oder ein Stück Velourfrottee. Es gibt aber auch extra Samtbügelbretter.
Meine Lieblingsverkäuferin im Laden um die Ecke hat mir von sich aus angeboten mir ihrs auszuleihen! Es lebe der Stoffladen vor Ort, sowas kriegste eben nicht im Internet.
Es handelt sich hierbei um ein relativ kleines und dünnes Stück Holz (etwas kleiner als ein Ärmelbügelbrett), welches an der Oberfläche mit lauter Nadeln besetzt sind.
Legt man den Samt darauf, sinken die Härchen in die Zwischenräume und man kann sicher sein, die Haare nicht plattzubügeln.

So ein Bügelbrett ist aber sehr teuer, ich denke, ein Stück Samt tut´s auch für´s Erste.

Nähen:

Nadeln in Stärke 70 verwenden, Stichlänge 2,5. Beim Nähen Flor auf Flor verschiebt sich der Stoff etwas. Man sollte daher unbedingt in kurzen Abständen mit Nadeln, quer gesteckt, fixieren oder, noch besser, heften. Wenn möglich, in Strichrichtung nähen.

Aufbewahrung:
Die Kleidung sollte am besten über einem Kleiderbügel hängen. Wenn möglich nicht falten!
Wenn man verreist, kann man die Kleidung wenden und mit der linken Seite außen falten, besser noch rollen, dazwischen Seidenpapier legen.

Und nun hoffe ich, ich kriege den Rest einigermaßen hin!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Me Made Mittwoch in Probemodell oder Versöhnung mit der Burda-Hose

Zufriedenheit und Burda-Hose, das ging für mich lange nicht zusammen. Aber heute ist der denkwürdige Tag, an dem ihr mich so seht: zufrieden in einer Burdahose.

(mit noch nassem Haar habe ich heute meinen Kopf ganz abgeschnitten)

Dies ist ein Probemodell aus dunkelblauem Breitcord, welches ich im Hinblick auf einen Hosenanzug genäht habe, der innerhalb der nächsten zwei Wochen (dazu bitte irren Blick denken) fertig werden soll.

Ich habe das Oberteil/den Bund einer bereits genähten Hose aus der easy fashion F/S 2009 genommen und die Beinweite/den Schlag zwischen dieser Hose und der Schlaghose aus der März-Burda 2015 angepasst. Letztere hat einen größeren Schlag aber einen sehr schmalen Oberschenkel, der superknapp geworden wäre.


Eingriffstaschen habe ich genäht wie beschrieben, aber leider beulen sie etwas, sodass ich sie beim nächsten Mal weglassen werde bzw. zunähen werde.

das Beulen sieht man mehr in Bewegung und beim Sitzen
 

Die hinteren Taschen werde ich behalten. Sie werde ich von der Form der unteren Ecken vielleicht noch etwas abschrägen, aber im Prinzip sieht das ganz gut aus mit ihnen.
Wer hier öfter liest, wird außerdem bemerkt haben, dass ich bei jeder Gelegenheit die Zierstiche meiner relativ neuen Pfaff ausprobiere und anbringe, so auch hier. Nicht besonders auffällig, aber ich mag das so:


Auch den breiten Bund mag ich, ich bekomme einen 6cm breiten Gürtel rein.


Ach ja, dazu trage ich heute einer meiner Patrones Hemdblusen.

Modell: Burda 03/15 und easy fashion F/S 09 gemischt, Gr. 38
Änderungen: 5cm Länge zugegeben
Nähzeit: ca. 12h (davon 6h reines Nähen)
Kosten: ca. 10,- Euro

Hiermit reihe ich mich ein beim MeMadeMittwoch-Blog, der heute angeführt wird von EllaMara in einem wunderschön gemusterten Kleid!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Me Made Mittwoch im kurzärmeligen Patrones-Herbstjäckchen mit Stricktuch

Nachdem ich nach längerer Schaffens- und Bloggerpause letztens hier (mit mehr Detailfotos, u.a. vom Kragen) das kurzärmelige Jäckchen aus der Patrones Nr. 284 und mein erstes Stricktuch vorgestellt habe, kommen nun noch wenige Tragefotos, allesamt am Sonntag vor dem Spaziergang aufgenommen.
Seither habe ich beides noch einmal zähneklappernd getragen, aber mittlerweile ist es wirklich zu kalt, jedenfalls für das Jäckchen.
Das nenne ich mal einen kurzen Auftritt.




hier ist gut zu sehen, dass der Stoff aufgrund der Einlage etwas steif geworden ist. 

Und weil ich es liebe und so stolz bin auf mein erstes Stricktuch, hier nochmal das Foto dazu.


Das Tuch ist natürlich pille-palle im Vergleich zum Lucys wunderschöner Strickjacke in einer absoluten Traumfarbe, hier zu bewundern, wo sich auch alle anderen Mittwochsdamen versammeln.

Liebe Grüße,
Nastjusha

Sonntag, 11. Oktober 2015

Mein erstes Stricktuch und ein neues Herbst-Jäckchen

So, meine Lieben, es ist ja ein Weilchen her, dass ich Ergebnisse präsentiert habe.
Das liegt einzig und allein daran, dass es nichts zu zeigen gab, weil ich kaum Zeit zum Handarbeiten hatte, Punkt. Ohne weiter herumzulamentieren, setze ich also fort, als wäre nichts gewesen und begrüße euch ganz herzlich im Herbst!

Die Sommerferien verbrachte ich letztendlich in Schweden, Italien (die Reisepläne änderten sich quasi stündlich wegen familiärer Verpflichtungen), am Chiemsee und im Norden von Sachsen-Anhalt.
Ich saß also viel im Auto und glücklicherweise meist auf der Beifahrerseite, sodass ich endlich meinen Vorsatz auch mal ein Tuch zu stricken in die Tat umsetzen konnte.
Lange suchte ich nach einem Muster, was mir gefällt und was nicht zu kompliziert ist.

Wiebke stellte vor einiger Zeit hier ein Lace-Tuch aus dem Buch "Victorian Lace today" vor, und da sie schrieb, dass man das Muster relativ schnell auswendig kann, vertraute ich ihr (mit einem leise skeptischen "jaja" im Bezug auf meine Strick-Gedächtnisleistung) und entschied mich für das schöne Muster. Wolle hatte ich noch vom drops-Sale: Alpaca in petrol.

Was soll ich sagen, das Muster konnte ich irgendwann wider Erwarten doch auswendig! Nagut, der Punkt war zwar erst ab der Hälfte des Tuchs erreicht, aber immerhin!

Jedenfalls bin ich absolut verliebt in das Tuch! Ich trage es fast jeden Tag, zu den unterschiedlichsten Outfits, mal als Überwurf, mal als Schal, und es wärmt und ist weich und kratzt nicht und sieht ganz besonders aus!


die Farbe ist eigentlich ein schönes dunkles Petrol

Und was ihr hier unter dem Tuch seht, ist mein Herbstjäckchen, gerade noch fertiggestellt, damit ich es heute beim Spazierengehen tragen konnte. Denn es ist kurzärmelig!


 Ich hatte noch einen Rest dünnen weinroten Feincord und quetschte das Jäckchen aus den 1,30m raus, der Schnitt ist aus der Patrones 284:

das Kleid kommt übrigens als nächstes dran...
In mehrerer Hinsicht ist das Jäckchen nicht optimal gelungen. Dadurch, dass der Stoff so dünn ist, habe ich ihn komplett mit Gewebeeinlage verstärkt, das macht man natürlich nicht, und wie auch eigentlich erwartet, wirkt der Stoff nun etwas steif. Außerdem hat sich der Stoff an einigen Stellen mit der Einlage total verzogen und Falten geworfen, die nicht zu entfernen sind.
Den Taschenrand habe ich aus zwei Stoffstreifen genäht, wobei ich beim Annähen nicht auf die Strichrichtung des Cords geachtet habe, sodass ein Taschenrandbesatz nun etwas heller schimmert als der andere.
Des weiteren habe ich für die Knöpfe keine normalen beziehbaren gewählt, ich hatte keine zuhause und war mittlerweile der Ansicht, es lohtn sich nicht noch weiter in das Projekt zu investieren. Also habe ich große Metallknöpfe genommen und sie einfach "bezogen", d.h. einen Kreis aus Stoff zugeschnitten und um den Knopf genäht. Wenn man mir ganz nah kommt, wird das hier sehen.


Also lasse ich einfach niemanden so nah an mich heran. :-)

Aber es soll kein falscher Eindruck entstehen, ich bin mit vielen Punkten an der Jacke durchaus zufrieden! So habe ich die Beuteltasche am Rand mit einem Zierstich meiner Nähmaschine verschönert und finde, das passt sehr schön.


Außerdem habe ich wieder mit den Videos von Mia Führer gearbeitet und ein mörderisch gutes Futter hinbekommen! (Viscose-Futter vom Maybachufermarkt)


Aaah, seht euch doch diese Ecke unten an, ich bin begeistert!


Hier nochmal der Link zu den Videos. Auch wenn die Methode der Fütterung eine andere ist als ich sie bisher kannte: es geht alles super auf und sieht unglaublich sauber aus.

Ich werde diese Jacke also auf jeden Fall tragen, schon allein wegen der Farbe, denn ich finde sie wirklich wunderschön und habe noch keinen vergleichbar intensiv gefärbten Stoff mit diesem Ton gesehen.

Mehr Tragefotos dann am Mittwoch.

Modell Jacke: Patrones 284, Modell 35, spanische Größe 42, entspricht einer 38/40
Änderungen: 2cm Länge unter dem Armloch zugegeben
Nähzeit: ca. 13h
Kosten: ca. 14,- Euro

Liebe Grüße und einen schönen Rest-Sonntag euch,
Nastjusha