Samstag, 22. August 2015

In Antonio Marras im Schwedenland

Schon seit einem Jahr war klar, dass ich Anfang August auf die Hochzeit meiner Cousine nach Uppsala/Schweden fahren würde.
Für meine Verhältnisse machte ich mir rechtzeitig Gedanken darum, was ich als Gast auf dieser russisch-schwedischen Hochzeit tragen würde.
Gern wollte ich einen der glamourösen Stoffe verarbeiten, den mir eine befreundete Dirndldesignerin vor Weihnachten geschenkt hatte. Darunter war ein toller Brokat mit Blumenmuster in orange, rosa und messingfarben, der wunderschön in den Farben hellrosa bis lachsrosa schimmert und dessen Rückseite von lauter goldenen Metallfäden herrlich glänzte.


Von allein hätte ich mir den Stoff vielleicht nicht ausgesucht, aber einem geschenkten Gaul usw, dachte ich mir, und machte mich auf die Suche nach einem passenden Schnittmuster.
Schon beim Kauf der Juli-Burda 2015 fand ich den Antonio-Marras-Designerschnitt sehr interessant und ansprechend, und da er einen festen Stoff verlangte, entschied ich mich für ihn.



Nach einigen Überlegungen und Suche nach passenden Stoffen entschied ich, für das mittlere Oberteil einfach die linke Seite des Stoffes zu verwenden.

hier noch ungesäumt, aber man erkennt gut die raffinierten vorderen Falten und die Dreidimensionalität des Oberteils

Zum Nähen muss ich sagen, dass die Anleitung einigermassen verständlich war, vor allem habe ich endlich mal den Kochlöffeltrick (der separat im Heft erklärt wurde) erfolgreich angewendet.
Die Passe wurde mit dem Oberstoff gedoppelt, und erst ab dem Mittelteil wurde gefüttert.
Ich habe mich für dünnen Baumwollbatist für das Oberteil (Sommerkleid und so) und vorrätigen dunkellila Futterstoff für das Rockteil entschieden.  Dadurch, dass das Oberteil innen glatt war (rechte Seite innen), war Baumwolle klein Problem.
Beim Rockteil hingegen war wegen der rauhen Metallfäden ein flutschiger Futterstoff erforderlich, Baumwolle hätte sich hier geschoppt.


Gesäumt habe ich mit einem (gekauften) Satinschrägband. So war das auch von Burda vorgesehen.
Und wie es die (meine!) Tradition will, säumte ich das Kleid in der Nacht vor dem Abflug bis um halb zwei in der Früh.


Da mich das Kleid nichts gekostet hat, rechtfertigte ich vor mir selber üppige Accessoires, die wirklich perfekter nicht hätten passen können (auch farblich, das kommt hier nicht so rüber).
Aber ich hatte wirklich Glück und ergatterte alles zusammen ziemlich günstig im Sale.


Die Hochzeit selbst war absolut traumhaft! Sie fand in der Umgebung von Uppsala statt und war so entspannt, lustig und warmherzig (und für mich sehr emotional), wie man es sich nur vorstellen kann...

Nach der kirchlichen Trauung fuhr man gemeinsam zum Sektempfang zum Gut Hammarby, welches früher Carl von Linné gehörte.
Sagt euch dieser Name was? Ich muss zugeben, es klingelte nur ganz leise, als ich ihn hörte. Dieser schwedische Botaniker und Zoologe war einer der größten Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts! Ihm haben wir u.a. die zweiteilige Nomenklatur der Pflanzen zu verdanken, das finde ich sehr spannend.

Wikipedia beschreibt das hier so: Basierend auf früheren Ansätzen führte Carl von Linné in seinem Buch Species Plantarum im Jahre 1753 ein System zur Benennung von Pflanzenarten ein. Dieses System unterschied sich von vorigen Systemen darin, dass einem Gattungsnamen nur ein einziger Artname hinzugefügt wurde. (...) Die Einführung des Binomen ersetzte die zuvor gebräuchliche umständliche Methode, die Artdiagnose, als sogenannte Phrase, in den Namen zu legen. Dabei waren zwar Namen für die Gattungen schon üblich, die Art wurde aber durch eine Aneinanderreihung für charakteristisch erachteter Merkmale umschrieben, die zudem nicht standardisiert war. Der Botaniker Dillenius beschrieb etwa 1718 eine Moosart „Bryum aureum capitulis reflexis piriformibus, calyptra quadrangulari, foliis in bulbi formam congestis“, sein Zeitgenosse Rupp nannte dasselbe Moos 1718 „Muscus capillaceus folio rotundiore, capsula oblonga, incurva“. In der binären Nomenklatur nach der Methode von Linné machte Johannes Hedwig daraus Funaria hygrometrica.[3]

Carl von Linné war ausserdem Mitbegründer der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und Rektor der altehrwürdigen Universität Uppsala (die Stadt wird übrigens auch "das Gehirn von Schweden" genannt).

Die Hochzeitsgesellschaft bekam eine englischsprachige und eine schwedische Führung durch das Gut (was für eine tolle Idee...) und konnte danach noch mit Plastiksektglas in der Hand über die umliegenden Weiden streunern:


Und ja, die Farben waren genau so, ein herrliches Wetter war das!


Nach diesem wunderschönen Ausflug wurde noch viel gegessen, gelacht und getanzt, und ich stellte fest, dass es gar nicht so richtig dunkel wird dort oben. Um vier war es schon ziemlich hell und um halb sechs, auf dem Weg zum Hotel, taghell.

Das Kleid finde ich nach wie vor toll! Ich habe mich darin schick und ein bisschen lustig gefühlt, so ein richtiges Gute-Laune-Kleid ist das für mich (die Länge ist evtl. nicht ganz optimal. Ein bisschen länger wäre evtl. nicht schlecht gewesen). Und den Schnitt kann ich nur wärmstens empfehlen, er ist wirklich ganz besonders.

Schnitt: Burda 07/2015, Modell 140, Gr.38
Änderungen: insgesamt 2cm Länge im Oberteil an der oberen Teilungsnaht und der Taillennaht zugegeben
Nähzeit: weil sich das so gezogen hat mit wenig Nähzeit am Stück habe ich den Überblick verloren, aber ca. 13 h
Kosten: 6,- Euro

Nun ist auch klar, warum ich mein Stoffwechsel-Projekt nicht geschafft habe. Ich war bis zuletzt mit diesem Kleid beschäftigt und danach die ganze Zeit nicht da. Aber glücklicherweise gibt es ein Finale der Herzen, das sollte eigentlich klappen.

Erstmal geht es aber in den nächsten Urlaub!

Einen schönen Rest-Sommer wünscht euch
Nastjusha