Montag, 30. März 2015

FUSSA Teil 2: Schnitt- und Stoffvorstellung

In letzter Zeit bin ich gar nicht so wahnsinnig nählustig, deshalb habe ich mit Ach und Krach den Stoff und das Schnittmuster für den Film- und Serien-Sew-Along beisammen.

Beswingtes Fräulein hat in ihrem Kommentar zu meiner Inspiration vom letzten Mal  als passenden Schnitt für meinen Jumpsuit den Simplicity 7937, ein Original-Schnittmuster aus den 70ern, vorgeschlagen. Ich hatte Glück, fand es auf etsy, bestellte es und hielt es nur wenige Tage später in den Händen. Perfekt! Vielen Dank für diesen Hinweis! Ich habe das Gefühl, dieses ist genau das richtige Schnittmuster für diesen meinen Zweck:


Mit Kragen und Wickeloberteil ist es genau das, was ich wollte. Toll!

Die Stoffsuche gestaltete sich schwieriger. Ich fand die angebotenen Jerseystoffe häufig viel zu krass gemustert (vor allem mit diesen wirren Digitaldrucken kann ich irgendwie gar nichts anfangen), und einen einfarbigen Jersey wollte ich ersteinmal nicht vernähen.

Auf Buttinette wurde ich fündig und bestellte diesen auberginefarbenen Strick (das ist wirklich ein sehr dunkles und kräftiges Lila, aber einen hellen Jumpsuit kann ich mir an mir beim besten Willen nicht vorstellen), der in großen Blockstreifen einige Lurexfäden eingewebt hat.
Zugebenermassen ist das Ganze ein ziemliches Experiment: ich weiß nicht, wie sich der einigermassen locker gewebte Strick verhalten wird (eventuell leiert er aus?), und sicherlich ist so ein Glitzerfummel auch eher für den abendlichen Einsatz gedacht. Aber ich dachte mir, für 12,- Euro Materialkosten (insgesamt!) kannste das schonmal wagen.


In jedem Fall wird das ein Stück, welches genau so von den drei Engeln hätte getragen werden können! Wir dürfen gespannt sein, wie ich mich damit fühle.

Der von mir bestellte Strickstoff für den geplanten Pullover hat sich als ungeeignet erwiesen. Er ist doch ziemlich fest und eher für eine lange Weste geeignet, aber in so einem winterlichen Farbton, dass ich darauf gerade keine Lust mehr habe.
Ich sage den Pullover vorerst ab und behalte das Projekt im Hinterkopf für den nächsten Herbst, wenn es wieder mehr Strickstoffe zu kaufen gibt. Oder noch besser: ich stricke ihn doch selbst!

Hier bei Luzie versammeln sich seit gestern alle weiteren Näherinnen, die ihre Inspirationen aus Filmen und Serien langsam in die Tat umsetzen!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 25. März 2015

Me Made Mittwoch: Frühlingsjacke mit Sashiko-Tasche

Heute zeige ich euch eine Kombination, die ich tatsächlich die letzten Tage sehr viel getragen habe.


Die Frühlingsjacke nach einem Schnitt aus einer Burda von 1970 habe ich hier vor fast genau einem Jahr gezeigt (mit vielen Detailfotos). Ich trage sie sehr gern, weil ich die Farben mag, das Muster und ihre Leichtigkeit.
Leider verliert der locker gewebte Wollstoff vom Hauptstadt-Maybachufer langsam aber sicher an Form: die ohnehin nicht perfekten Paspeltaschen rutschen immer mehr herum, der Kragen legt sich nicht wie er soll, die Ärmel leiern aus und schoppen, weil das Futter natürlich nicht mit ausleiert. Und die Jacke wird immer größer. Irgendwie.
Das hindert mich aber nicht daran sie so lange zu tragen, bis sie auseinanderfällt!
Und immer wieder denke ich mir, ich muss den Schnitt noch einmal nähen. Diese taillierte Form und die schrägen Paspeltaschen finde ich toll! Von den Schnittdetails wie Schulter- und Ellbogenabnähern habe ich ja bereits im Post vom letzten Jahr geschwärmt.
 

Dazu trage ich einen selbstgenähten Leinenbeutel, den ich mit der Sashiko-Technik bestickt habe. Das war das Thema einer Stoffspielerei bei Frifris, und ich bin ihr immer noch dankbar für diese Inspiration, denn von allein wäre ich wohl nie auf diese japanische Stickart gekommen.
Diese schlichte Taschenform ist für mich perfekt: nicht zu groß, nicht zu klein, ein bisschen zum Einkaufen geeignet, aber auch nur für Klein- oder Kinderkram ausreichend, und das Wichtigste: sie hält - vor allem beim Fahrradfahren - super auf der Schulter.

Ihr seht, ich bin schon einigermassen im Frühling angekommen (und bezahle das gerade mit Halsschmerzen). Bin ja gespannt, wie es bei den anderen Mittwochs-Damen aussieht, die sich mit Gastbloggerin Anne hier auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog in selbstgenähten Outfits präsentieren!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Dienstag, 17. März 2015

Film- und Serien-Sew-Along: Inspirationssammlung

Als ich mitbekam, dass Dreikah und Luzie diese grandiose Idee hatten, fühlte ich mich sofort angesprochen, schon allein durch das Logo zum Sew-Along.
Schließlich sind die Drei Engel für Charlie schon seit einiger Zeit große Stilvorbilder für mich!

Leider hatte ich in letzter Zeit wenig Zeit zum Filmeschauen, und so kam es, dass ich mir gestern abend gleich fast die gesamte erste Staffel nochmal im Schnelldurchlauf reinzog, den Blick wirklich nur auf die Klamotten programmiert. Das war eine ganz neue Erfahrung!

Zusammenfassend kann ich folgendes berichten (Situationen, in denen die drei Krankenschwesterkostüme oder andere berufsbedingt erforderliche Verkleidungen tragen müssen, nehme ich mal aus):

Sabrina Duncan (gespielt von Kate Jackson) trägt mit Vorliebe dreiteilige Kostüme und Hosenanzüge, meist mit Hemdbluse, gern auch ganz hochgeschlossen mit Schluppe oder Halstuch, öfter auch mal einen Rolli dazu. Gern trägt sie dazu lange filigrane Ketten. Alles in einem ist ihr Look wenig verspielt und sehr businesstauglich. Wenn sie allerdings über einen 3m hohen Zaun springen muss, darf´s auch mal eine Jeans mit Schlag sein.




Kelly Garret (gespielt von Jaclyn Smith) ist die Elegante, die auch mal Blusen ohne Hemdkragen trägt. Weite Ärmel, Kleider und Röcke, aber auch die klassisch-elegante Kombination eines Hosenanzugs oder eines Rocks mit Rolli trägt sie gern. Durch ihr wallendes brünettes Haar wirkt sie von Haus aus romantischer, was den Stil angeht.

so eine Kombination möchte ich mir auf jeden Fall im Herbst nähen!

Jill Munroe (gespielt von Farrah Fawcett) ist die Sportliche, die auch mal ein bisschen modische Avantgarde in´s Spiel bringt. Hier sind Blousons in Kombination mit krass engen Schlagjeans zu sehen, immer wieder die obligatorische Hemdbluse (etwas sportiver im Schnitt als bei Sabrina, z.B. mit Details im Safari-Stil), Trainingsanzüge oder auch mal ein heißes Abendkleid mit Spaghettiträgern.

für Wiebke

Ich bin modisch eher auf der Seite von Sabrina und Kelly, aber dieser Stil ist mir mittlerweile so vertraut (siehe meine letzten Faltenröcke und immer wieder Hemdblusen), dass ich das Gefühl hatte, ich bräuchte mal einen neuen Reiz.

Außerdem habe ich in letzter Zeit so viel Anlassgarderobe genäht, dass ich dringend Alltagstaugliches nähen muss. Mein Suchblick blendete gestern also nach und nach Röcke aus, dann Hemdblusen, dann Hemdblusenkleider und sowieso Abendkleider.
Ich kam zu dem Schluß, dass ich mal wieder eine Hose nähen möchte und konzentrierte mich also auf Jill.

Zweimal riß es mich.
Einmal als ich diesen Pullover an ihr sah:


Dazu trug sie eine schwarze Schlaghose. Diese Ärmelaufschläge sind ja denkbar unpraktisch, weil man nichts darüber ziehen kann, aber im Frühling finde ich das genau richtig so.
Beim Stricken bin ich eine Schnecke, und ich nähe auch lieber. Daher wäre es doch sicher ein Erfolgserlebnis, einen Pullover aus Strickstoff zu nähen. Einen passenden Mohairflausch habe ich schon bestellt.

Und dann dieser unglaubliche Jumpsuit hier. Ich nehme an, der wird von Diane von Fürstenberg gewesen sein, da er eine Wickeloptik hat und ein für sie typisches Muster.



Über die Alltagstauglichkeit dieses Teils kann man sich streiten. Ich könnte mir aber ganz ehrlich vorstellen, dass man sich in einem Jumpsuit, der nicht total krass gemustert ist, sehr wohlfühlt und ich ihn auch im Alltag tragen würde. Ne schicke lange Weste drüber (oder einen Pullover mit großen Ärmelaufschlägen), fertig.

Ich habe sogar schon das perfekte Schnittmuster dafür gefunden, leider gibt es das nirgends mehr zu kaufen... ich habe alles durchgesucht. Wenn zufällig jemand da draußen das hier liest und Butterick 4845 aus den 70ern zuhause hat - könnte er mir das Schnittmuster vielleicht ausleihen?
Ansonsten muss ich mir was überlegen.


 Mit einem Auge habe ich schon gesehen, dass einige 70er-inspirierte Outfits beim FUSSA geplant sind. Ach, das wird toll!! Heute abend werde ich mir im Detail hier bei Karin ansehen, was die anderen Teilnehmerinnen so für Ideen haben.

Liebe Grüße und danke nochmal für diese wirklich nette Idee,
Nastjusha

Mittwoch, 11. März 2015

Me Made Mittwoch im Ballrock mit Schleppe

Meine neueste Liebe gilt einem höchst unpraktischen Kleidungsstück, nämlich dem langen Rock mit Schleppe aus der Burda 09/2014.
Und das kam so:

Letzten Freitag nahm mich eine Freundin mit auf eine Benefizgala in der Hauptstadt, und als Dresscode war Abendkleid vorgeschrieben. Nach der Location zu urteilen sollte das eine High-End-Gala mit rotem Teppich-Auftritt werden. Mein Hirn ratterte also schon Wochen vorher, was ich mir nähen sollte.
Gern wollte ich mit den Stoffen aus dem Vorrat auskommen, aber hier reichte keiner für ein bodenlanges Abendkleid. Und da ich sowieso die Kombination langer Rock - Hemdbluse sehr mag, schwenkte ich darauf um.

Inspiration war ein Outfit, welches Cate Blanchett zur Berlinale trug: den Rock von Giambattista Valli fand ich zusammen mit der schlichten weiten Hemdbluse hinreißend und sehr stilvoll:

Quelle: Elle
Unter meinen Schnittmustern fiel mir als erstes der Gabriola Skirt von Sewaholic Pattern ein, den ich eigentlich schon seit geraumer Zeit nähen möchte. Nachdem ich das auf Twitter kundtat, machte mich  Marianne auf einen Rockschnitt aus der Burda 09/2014 aufmerksam, der mir sonst sicherlich entgangen wäre. Ich entschied mich für ihn, weil er mit der Schleppe noch etwas festlicher daher kam.
Dafür sollte auch mein roter Polyesterjaquard reichen, der in dem Stoffpaket war, den ich vor Weihnachten von einer befreundeten Dirndldesignerin geschenkt bekam. Der Stoff wirkt schon ziemlich trachtig, aber mit dem äußerst eleganten Schnitt und einem leger kombinierten Oberteil sollte dieser Eindruck zu entkräftigen sein.


Der Schnitt an sich ist sehr einfach und schnell genäht, wenn man mal die riesigen Schnitteile faltenfrei und ohne großes Verziehen zugeschnitten hat. Das Raffinierte an dem Schnitt ist, dass das vordere Rockteil in der Breite nicht nur bis zu den Seiten geht sondern darüber hinaus bis zu den Nieren (oder was auch immer da hinten ist) und vorn zwei sehr lange Abnäher hat. Dadurch wird der vordere Teil flach gehalten und ohne Volumen oder minimales seitliches Ausgestelltsein, der Stoff fällt gerade und schmal nach unten. Der hintere Rockteil (mit hinterer Naht und RV) aber hat ein langes angeschnittenes Godet, welches Volumen erst ab dem hinteren Oberschenkel zaubert, und das ganze auf sehr elegante Art und Weise.
Den Rock habe ich um 6cm verlängert, und trotzdem reichte der vordere Rockteil nicht an den Boden heran. Zum Tanzen war das perfekt. Und es kommt auch hin, wenn man bedenkt, dass die Burdaschnitte für 168cm große Frauen konzeptioniert sind und ich 10cm größer bin.

Der Rock ist ungefüttert geplant, ich habe aber überlegt, dass ich nicht möchte, dass man das Innenleben des Rocks sieht, wenn ich die Schleppe hochnehme, außerdem fiel der Polyesterjaquard ohne Futter ein wenig leicht und sperrig (ich hatte ihn quer zum Fadenlauf zugeschnitten, da die Streifen auch so verliefen), sodass ich dem Rat meiner Lieblingsverkäuferin im Stoffladen nebenan folgte und den Rock mit Futterstoff verstürzte. Damit fiel auch die Saumproblematik weg und es war noch ein cm an Länge gewonnen. Das Futter schützte außerdem die Schleppe und verhinderte, dass ich mit Absätzen oder sonstwie in den Jaquardfäden hängen blieb und Fäden zog.
Es hat mich wirklich verblüfft, welchen Unterschied dieses Futter im Fall gemacht hat:

ohne Futter, man sieht den leichten Fall und auch Verzug im Saum hinten

mit Futter: schwerer glatter Fall nach unten und faltenfreie Schleppe

Es stand auch kurz im Raum, die Schleppe mit einem Knopf hinten zum Tanzen zu befestigen, aber ich fand, die Knopflösung sieht nicht gut aus hinten, und ich wollte auch vermeiden vor jedem Tanz ewig hinten herumzufummeln...
Für eine Schlaufe, die ich um den Finger winde, war die Schleppe meines Erachtens zu kurz.
Also beließ ich es dabei und tanzte mit der Schleppe in der Hand. Das war kein Problem, nachdem selbst bei dieser Gala kaum Standard getanzt wurde sondern man im Abendkleid und Smoking eher abzappelte.

Übrigens war ich mir nach Beendigung des Rocks nicht ganz sicher, ob ich dem Dresscode Abendkleid damit entsprechen würde. Es kam zu einem großen Schulterklopfen auf Twitter, wo mich alle darin bestärkten, dass das schon in Ordnung ginge. Ich recherchierte ein wenig und erfuhr hier, dass bei "Smoking" Abendkleid erwünscht ist und langer Rock zur Not auch ginge, wenn er aus tollem Stoff mit raffiniertem Schnitt ist. Ist allerdings explizit "Abendkleid" für die Dame angegeben,  wäre eine Missachtung dieser Kleiderordnung unhöflich. Egal, dachte ich mir, und hätte zur Not alles auf die Nähbloggerszene geschoben. :-) Bin aber auch so reingekommen (und auch meine Freundin mit beinahe knielangem Tüllrock) und war tatsächlich die einzige mit langem Rock.

Wie immer machte ich an dem Abend keine Fotos. Erstens sprangen überall Fotografen herum, und zweitens bin ich da etwas schüchtern mit Posieren, wenn tausend Leute um mich herum sind. Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Frauen, die hier auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog ihre selbstgeschneiderte Kleidung zeigen!

Hier also für euch Fotos mit abgeschnittener Freundin, die wir vor dem Abrauschen noch im Hotel geschossen haben... bitte verzeiht die mässige Qualität... Die Bluse habe ich letztendlich gekauft aus Zeitmangel und weil ich mir noch nicht zutraue eine weiße Hemdbluse 100prozentig sauber zu nähen. Interessant ist vielleicht auch, dass dies eine XL ist!!! Ich hatte eine M anprobiert und kaum Luft bekommen, vom unschönen Aufklaffen der Knopfleiste abgesehen. Mangels L griff ich zur XL und fand das genau richtig zur schmalen Silhouette des Rocks.

hier kommt die Farbe des Rocks einigermassen rüber.

dazu kamen schwarze Pumps, hier glaube ich noch nicht am Fuss...

Insgesamt hier also meine große Empfehlung für diesen Schnitt! Er macht wirklich was her und sollte auch im "gehobenen Alltag" (Zitat Wiebke) ab und zu unterzubringen sein. Wenn man sich die Fotos bei Burda anschaut, ist das auch so geplant. Für den einen oder anderen Theaterbesuch oder so wird mich der Rock sicher wieder beehren.

Liebe Grüße,
Nastjusha