Mittwoch, 25. Februar 2015

Me Made Mittwoch im Materialmix-Faltenrock

Erstmal danke ich euch sehr für eure zahlreichen und netten Kommentare zum letzten Faltenrock mit Gerhard Richter, ich war wirklich platt (und bin leider nicht hinterhergekommen mit dem Kommentieren)!
Und ich tat etwas, was ich noch nie getan habe, nämlich einen Schnitt gleich noch einmal zu nähen.

Dazu kommt, dass ich mich in Frühjahrs-Panik befinde und schnell noch ein paar Wollstoffe, die immer so viel Platz in der Kommode wegnehmen, verarbeiten möchte. (Außerdem war ich gestern in einem Klamottenladen um Strumpfhosen zu kaufen und war gar nicht angetan von den ganzen Pastelltönen der Frühjahrskollektion, die mir da entgegenschlugen...)
Ganz oben auf meinem Wollstapel, den ich abtragen möchte, lag ein wunderschöner kräftig-orangefarbener Wollstoff, diagonal und fest gewebt, mit einer schönen Schwere, sieht aus und fühlt sich an und riecht nach echter Wolle.
Diesen Schatz hat mir Wiebke letzten Herbst zu meiner freudigen Überraschung zum Geburtstag geschenkt, und mir gingen wirklich die Augen über, als ich das Päckchen öffnete!
Ich haderte lange mit mir, was daraus werden sollte, schließlich wollte der tolle Stoff angemessen verarbeitet werden. Übrigens hat auch Lotti den Stoff schon vernäht und ihn in höchsten Tönen gelobt.

Schon länger war mir klar, dass ich daraus einen Rock nähen würde, und die Vision wurde mit Ausprobieren des Faltenrockschnitts aus der Burda 12/2014 ziemlich klar. Ich überlegt mir, wie ich dem Rock noch ein bisschen Extravaganz verpassen könnte und nahm die Idee von Burda auf, einen Kunstlederfaltenboden einzunähen. Da mich die Lösung, den Faltenboden selbst zu plissieren bzw. in Falten zu legen, nicht überzeugt hatte, wählte ich einen einfachen Faltenboden. Bei zusammengehefteter Kellerfalte wurde einfach ihre Breite von innen gemessen - das entsprach bei Gr. 38 11cm -, die Länge blieb.
Ein kleines Stück dunkelbraunen Kunstleders mit Schlangenprägung (oder so) hatte ich noch, der liegt schon viele Jahre in meiner Kommode und hat nun seinen Auftritt bekommen.

Außerdem fügte ich ein Futter ein. Nach einem Blick in mein schlaues Burda-Nähbuch, wusste ich, dass bei Faltenröcken ein einfaches Futter ohne Falten genäht wird (dazu legte ich einfach das hintere Rockteil mit zusammengehefteter Falte und angenähter Passe auf den Futterstoff und nahm den Schnitt ab), aber unten auf beiden Seiten ein 20cm langer Schlitz in der Seitennaht gelassen wird. Diese Schlitze verstärkte ich mit einem Futterstoff-Dreieck, damit sie nicht gleich beim ersten Schritt ausreißen und säumte das Futter wie kürzlich mit einem Zierstich.

Und da ich momentan immer auf der Suche nach Gelegenheiten bin, die tollen Zierstiche meiner Maschine zu nutzen, steppte ich gleich die Passennaht schön ab. Den inneren Bund schmückte ich so auch, da ich ihn nicht nach innen umschlagen konnte aufgrund der Dicke des Stoffs.
Ach ja, den Bund habe ich außerdem um 1cm verbreitert, damit mehr Platz für ein Gürtelchen ist.

Das ganze sieht dann so aus - nämlich ziemlich herbstlich - in Kombination mit meiner Falten werfenden Hemdbluse (nach einem Schnitt nach Dolce & Gabbana aus der Patrones Nr. 241), einer gemusterten dunkelgrünen Strumpfhose, einem dunkelbraunen Gürtel und mit dunkelbraunen Lieblingsstiefeln:


hier stimmt der Orange-Farbton einigermassen

Und ein paar Details:

Faltenboden aus Kunstleder

abgesteppte Passennaht

verzierter Innenbund

sauber ist anders, aber an der Stelle kümmert es ja wirklich niemanden...

Schwarzes Futter ist nicht ideal, war aber vorrätig und ist ja durch den dunklen Faltenboden auch nicht total weit hergeholt.


 Und nun schaue ich gleich zum Morgenkaffee an, wie die anderen Damen ihre selbstgenähten Sachen tragen, hier auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog, heute präsentiert von  Claudia, die mit ihrem Winterfrustbewältigungskleid heute mein Farbzwilling ist!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Dienstag, 24. Februar 2015

Tuesday Tunes: Punch Brothers

Heute ein kurzer aber dringlicher Hinweis auf die Punch Brothers und ihr Ende Januar erschienenes Album "Phosphorescent Blues".
Vor zwei Wochen bin ich zufällig auf ein Debussy-Arrangement des New Yorker Quintetts gestoßen, welches mir buchstäblich die Schuhe ausgezogen hat. Einmal reingehört in das gesamte Album, und die Begeisterung war komplett!
Diese Mischung aus Bluegrass, Singer-Songwriter, Pop, Klassik und Kammermusik ist genial, und so häufig hat man es auch nicht, dass ein Mandolinenspieler Bandleader ist... :-) Das i-Tüpfelchen sind die Texte der Songs, die sind wunderschön, weise und witzig.
Große Empfehlung also für das gesamte Album, welches auch mit 10mal Durchhören noch lange nicht erforscht ist.

Hier die aktuelle Single:



Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 18. Februar 2015

Me Made Mittwoch: Faltenrock mit Gerhard Richter

Geht es euch auch so, dass eure Augen ab und zu richtig Futter brauchen? Also nicht in Form von jpgs und Zeitschriften, sondern so richtig.

Bis zum 22.2.15 gibt es im Neuen Museum Nürnberg eine Ausstellung mit 28 Bildern von
Gerhard Richter aus dem Zeitraum von 1957 bis 2003. Die Bilder der Ausstellung mit dem Titel "Ausschnitt" stammen aus der Sammlung Böckmann und stellen die drittgrößte Sammlung an Werken von Gerhard Richter weltweit dar. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Vor einiger Zeit hatte ich den Film "Painting" über Gerhard Richter und sein Leben, sein Werk und seine Arbeitsweise gesehen und es sollte ein paar Jahre dauern, bis ich den ersten Richter sehen durfte.
Heute früh bedurfte es dann noch einiger Überredungskunst, die Kinder zu motivieren (was heißt hier zu motivieren, zur Not hätte ich sie huckepack hingetragen! Tut mir leid, meine kleinen Süssen, aber diese Entscheidung entzieht sich eurer Kompetenz und überhaupt. Ich hatte auch keine große Lust mir mit euch "Paddington" im Kino anzusehen. Und? Dann war es ja doch ganz nett. Kompromisse sind essentiell im Zusammenleben und erweitern den Horizont.), und nach einer Autofahrt gespickt mit Fußballrätseln (LEIDER nicht mein Metier sondern das des Gatten... ich war praktisch gezwungen zu stricken) und einer folgenden Stärkung mit Nürnberger Faschingskrapfen ("wenn der Magen voll ist, singen die Vögel und die Menschen lachen") ging es rein in das schöne Neue Museum.

Das Museumsgebäude ist mitten im historischen Altstadtkern von Nürnberg gelegen und wurde nach einem Entwurf von Volker Staab gebaut. Ganz fasziniert bin ich an der langen Glasfassade entlanggelaufen, die wie ein Tentakel zwischen die alten Häuser reicht. Herrlich, wie sich dieser tolle Neubau (Eröffnung 2000) in die Altstadt einfügt! Und auch innen schmeicheln die Fluchten und Kurven dem Auge. Es wirkt alles sehr organisch, und ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, eine Wand würde mir im Wege stehen. Selten habe ich erlebt, dass sich meine Füße wie von allein durch ein Gebäude bewegen, als würde ich von einer fremden Hand geleitet. Genial, wenn Architektur so etwas kann!

Der erste Eindruck war also schon vielversprechend, und es sollte nur so weitergehen.
Gleich das erste Bild ("Waldstück", 1965) bannte mich, es hypnotisierte mich richtiggehend. Ich neige wirklich nicht zu Übertreibung und Dramatisierung, aber ich musste mich nach längerer Zeit richtig losreißen davon.  Beim Portrai Liz Kertelge (1966) entstand in mir der unbändige Wunsch, auch so ein Porträt (von mir natürlich) mein eigen zu nennen... wunderschön, dieses Gesicht, und perfekt (dabei ohne irgendeine eine Interpretation oder hineingelegten Charakter) abgebildet, sehr schmeichelnd dazu. Hach...
Und einige Bilder weiter kam das Bild, welches mich am meisten bewegt hat: Seestück (bewölkt), von 1969. Ich war nach Minuten dazu gezwungen, weiterzugehen, weil der Kleine etwas zu wild herumhampelte, aber es zog mich im Laufe des Aufenthalts in dem großen Ausstellungraum mehrmals wieder dahin zurück. Ich weiß auch nicht, was es war, die Farben, das lebendige Meer, der große und bewegte Himmel, die verwischte Malweise... das Bild füllte mich einfach aus und ich konnte darin versinken.
Das berühmte Gemälde "Schädel mit Kerze" war ebenso zu sehen wie viele abstrakte Bilder, u.a. das wunderschöne "Abstrakte Bild" (1991), welches mich von den abstrakten Bildern am meisten fasziniert hat.

Aus meinem Traum wurde ich immer mal wieder von einer Aufseherin gerissen, die mich ermahnte, meinen Strickmantel bitte nicht über dem Arm zu halten sondern anzuziehen (dieselbe, die mich am Einlass mit meiner "zu großen" - what?? - Handtasche nochmal zum Schließfach zurückgeschickt hat) und mich aufforderte, etwas weiter weg vom Bild zu stehen, als ich gerade dabei war, die Ergebnisse der Rakeltechnik des Künstlers genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber ich verzieh ihr großmütig, sicher sind die ca. 6 Aufseher in dem Raum von seiten der Versicherung genauestens instruiert worden.

Übrigens: hier kann man sehen, wie man sich ganz einfach sein eigenes schönes Bild rakeln kann... :-) Ich glaube, das mache ich bald mit dem Großen, so zur Nachbereitung des Ausflugs.

Nach der Richter-Ausstellung sahen wir noch einige andere tolle Bilder und Objekte moderner Kunst, und alles in einem bin ich voll des Lobes für dieses Museum! Sogar den Kindern hat es letztendlich gefallen, und jeder hat sein Lieblingsbild (beim Kleinen war es ein Objekt, was muschelartig aussah und auf dem Boden lag und wo man sich gegenseitig - jeder an einem Ende auf dem Boden kniend und in ein Ende der Muschel lukend - ins Auge sehen konnte) gefunden. Und das alles für 6,- Euro Eintritt, die Kinder kamen sogar kostenlos rein! Na, da bekommste doch was für dein Geld.

Hiermit also meine allergrößte Empfehlung für alle, die einigermassen in der Nähe von Nürnberg bzw. in Bayern wohnen, die Anfahrt lohnt sich!
Wem das zu weit ist, der kann sich hier alle Werke zumindest von Gerhard Richter online ansehen.

Jetzt schwafele ich hier herum, dabei geht es doch eigentlich um den Me Made Mittwoch.
Genäht habe ich den Faltenrock mit plissiertem Faltenboden aus der Burda 12/2014.
Da ich aber auch den Faltenboden aus Wolltweed (und nicht wie angegeben aus kunstfaserhaltigem Material, welches die Falten von allein hält) gefertigt habe, musste ich die Falten einzeln einnähen. Das hat ein bisschen gedauert, und letztendlich würde ich von der Methode doch abraten. Man bekommt die Falten nicht besonders regelmässig hin, da würde sich ein einfacher Faltenboden deutlich praktischer nähen lassen und fast denselben Effekt haben. Aber nun habe ich die Methode für euch getestet und zeige nun endlich das Ergebnis. Mit dem Rest des Schnittes bin ich sehr zufrieden. Die Passe ist toll und sitzt super, und auch der Fall des Rocks ist sehr schmeichelhaft. Mit einer einfachen Kellerfalte in der Mitte vorn und hinten sollte der Rock ruck-zuck genäht sein, und genau das werde ich in Kürze noch einmal tun.

Jetzt aber.

Erst einige Details zur Fertigung:

so habe ich versucht, die Falten einigermassen gleichmässig zu nähen (also immer am Faltenberg bzw - tal eine Naht dicht an der Kante genäht)


die Riegel wurden mit je einem Kreuzstich mit Knopflochgarn befestigt, von hinten sieht der Rock genauso aus, nur ohne Riegel



vor dem Abstrakten Bild von 1988 von Gerhard Richter
 




vor "Virginia, housewife 1" von Julian Opie, mit herunterhängendem Saumzipfel

So, nach diesem Ausflug geselle ich mich nun zu allen anderen, die hier auf dem Me Made Mittwoch Blog ihre selbstgeschneiderte Kleidung zeigen, heute angeführt von Frau Kirsche in einem wunderschönen dunkelblauen Flanellkleid!

Liebe inspirierte Grüße,
Nastjusha

Donnerstag, 12. Februar 2015

Nachtrag: einige Details zum Maskenball

So richtig da war ich am Mittwoch noch nicht, deshalb hier ein kleiner Nachtrag für diejenigen, die es interessiert.
Und an dieser Stelle auch vielen lieben Dank für eure Flut an positivem Feedback zu dem Maskenball-Outfit!

Vor dem Maskenball war Suschna so nett und hat sich Nächte um die Ohren geschlagen, um zu dem Thema zu recherchieren. Hier könnt ihr den superinteressanten Post zur Geschichte von Maskenbällen, Schminkhistorie und Maskierung lesen. Nur für den Fall, dass ihr auch einmal vorhabt zu so einem Ball zu gehen. Ein bisschen Hintergrundwissen macht die Sache gleich viel runder und ist optimal bei der Vorbereitung... :-)

Letztendlich war es so, wie ich es mir gedacht hatte: von den gut 1000 Gästen des Balls war ungefähr die Hälfte richtig kostümiert, und die andere Hälfte behalf sich mit Abendgarderobe und Maske, was ja in Ordnung ist. Sonst hätte man vor lauter aufgetürmter Perrücken und ausladender Röcke weder was gesehen noch sich bewegen können. Man musste schon genug aufpassen, nicht eine Schnabelmaske, die an frühere Pestärzte erinnern sollte, in´s Auge zu bekommen oder auf einen Rocksaum zu treten!

So waren viele original anmutende Rokoko-Kleider zu sehen. Die stammten entweder aus dem Theaterfundus oder einem Kostümverleih. Ich denke nicht, dass da jemand selbst Hand angelegt hat.
Außer dem Theater-Schneidermeister.
Eine Einlassdame des Theaters hatte z.B. ein petrolfarbenes wunderschönes Rokoko-Kleid an und dazu eine Maske, die ganz mit braunen Federn (schätzungsweise Fasan) geschmückt war! Das sah wirklich bildschön aus. Grau-gepuderte Perücken gab es einige, eine Frau lief auch im Sissi-Kostüm herum (??), und die Männer trugen häufig Anzug und venezianische Maske dazu. Einige Pest-Ärzte gab es und auch solche, die venezianische Masken trugen, die über das gesamte Gesicht gehen. Dazu einen Umhang, und schon sieht man wirklich gruselig aus. Zwei Männer sah ich, die als typischer Harlekin dieser Zeit gegangen sind, das hat mir sehr gefallen!

Von dem offiziellen Programm und der Mitternachts-Show habe ich nichts mitbekommen, weil ich mit meiner ärmlichen Tanzkarte keinen Sitzplatz hatte. Aber das war ganz egal, ich habe in der Zeit mit Freundinnen getanzt und bin mit ihnen durch sämtliche Säle flaniert, in denen die unterschiedlichste Musik lief, von Gesellschaftstanz über Jazz/Swing bis hin zu Diskomusik zum Abzappeln.

Um halb fünf ging es dann heim - die Zeit verging wie im Flug, und ich kann nur jedem empfehlen, so einen Maskenball zu besuchen, das ist etwas ganz anderes als der närrische Fasching, der jetzt begonnen hat. Ich weiß zum Beispiel von einem jährlichen Maskenball in Graz, der noch um einiges aufwändiger ist als der Ball es hier war. Ich habe auch gehört, dass sich dort fast alle mit ihren Kostümen richtig in´s Zeug legen. Wäre ja auch mal eine Reise wert, sowas, oder?

Alex wird es sicher irgendwann einmal schaffen, auf den Dogenball in Venedig zu gehen, und dann hoffe ich, dass sie mit besseren Fotos und geistesgegenwärtiger Berichterstattung punkten kann (im Gegensatz zu mir)!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 11. Februar 2015

Me Made Mittwoch im Maskenball-Outfit

Am letzten Samstag fand hier der Theater-Maskenball statt unter dem Motto "Un ballo in maschera", und als unverbindliches Thema stand "Rokoko".
Hier könnt ihr meine Gedanken zur Wahl des Outfits sowie hier Details zur Entstehung und den Schnitten (mit besseren und detailzeigenden Fotos!) nachlesen.

Heute gibt es einfach nur ein paar Fotos, damit man sehen kann, wie die Bluse und der Rock an der Figur aussehen, denn markant ist an beiden Teilen das Volumen, welches sie zaubern: der Rock insgesamt und hinten noch mehr als vorn (aufgrund tieferer Falten hinten) und die Bluse im unteren Teil des Ärmels.

Dazu trug ich eine online gekaufte Maske in schwarz-gold mit schwarzen Federn und goldene filigran ausgestanzte (Modeschmuck-)Ohrringe.

Die Fotos sind allesamt vor dem Besuch des Balls schnell und nur mit dem Handy (mit verschiedenen!) geschossen worden, unterschiedlich gefiltert worden, beschnitten worden. Tut mir leid, aber ich hatte seither keine Zeit und Muse die gesamte Kombination genauso noch einmal anzuziehen und zu fotografieren.


hier sind die Manschetten gut erkennbar

Ungeschminkt und schmucklos: aber erst hier erkennt man richtig das ausladende Hinterteil! Die Form entsteht allein durch die vertieften Falten hinten, das Futter ist ein dünner Futterstoff mit extra Futterschnitt, der keine Falten enthält.



Mit abgeschnittener Freundin:


Alles in einem habe ich mich pudelwohl und sehr schick gefühlt, und der Abend war lang und sehr kurzweilig! Lustig war nur beim Tanzen, dass ich mir jeden Hüftschwung hätte sparen können, weil der Rock eigentlich immer gleich still stand... :-)

Also sorry nochmal für die Fotos,  und mit meinem NICHT-Alltags-Outfit reihe ich mich ein beim Me-Made-Mittwoch, der heute von Jenny in einem sehr schönen Mantelkleid angeführt wird.

Liebe Grüße,
Nastjusha


Dienstag, 10. Februar 2015

Details zur fertigen Maskenball-Kombination

Bevor ich morgen einen ellenlangen Me-Made-Mittwoch-Post hinlege, schiebe ich schnell ein paar Informationen zum Outfit, welches ich für den hiesigen Theater-Maskenball nähte, vor.

Hier könnt ihr meine Gedanken dazu nachlesen und für welchen Schnitt (Patrones Fiesta Nr. 287) ich mich entschieden habe. Es gab also eine Rock-Blusen-Kombination, und ich hoffte, dadurch dem Rokoko-Thema eine etwas moderne Note verpassen zu können, ohne aber ganz unhistorisch zu wirken.

Ich begann mit dem Rock.

hier nur der Stoffplan zu sehen, das Kleid darunter ist nicht gemeint

Er bestand aus zwei langen Rechtecken, die oben in Falten gelegt wurde, die immer zur Mitte hin dieselbe Richtung hatten, sodass nur in der Mitte eine Kellerfalte entstand. Diese Falten wurden dann über eine Länge von 5cm ab Oberkante mit einer Naht fixiert, jede Falte für sich wurde also nach dem Bügeln über eine kurze Länge festgenäht. Schließlich wurde nur ein 8cm breiter Streifen (16cm Breite, der Länge nach gedoppelt) als Bund oben drangenäht, seitlich ein RV eingefügt und noch eine Seitentasche in der Naht einfgefügt. 
hier kann man sehen, wie super die gebügelten Falten halten - einer der wenigen Vorteile von Polyester

Dann gab es auch noch einen extra Futterschnitt. Mit dieser Beschreibung möchte ich nur zeigen, wie simpel der Schnitt eigentlich ist. Durch den gewählten Stoff aber, sein Muster und vor allem seine Haptik und seinen Stand, ist der Rock zu einem wahren Schmuckstück geworden.
Wie man oben bei der Schnittzeichnung erkennen kann, ist das hintere Rockteil breiter und hat auch breitere Falten. Die Folge ist, dass das Volumen hinten größer ist als vorn, und das ist nur einer der Punkte, die den Charme des Rockes ausmachen. 
Insgesamt habe ich damit einen Rock genäht, der sehr voluminös ist, ohne aber wirklich aufzutragen, da die Taille durch den hohen und breiten Bund sehr betont wird und die Falten erst auf Hüfthöhe aufspringen. 
Er ist wirklich eine wunderbare moderne Interpretation eines historischen Schnittes!


So richtig zur Geltung kommt der Schnitt natürlich nur an der Figur, das werde ich dann morgen zeigen. Auf meine Puppe passte der Rock aufgrund der schmalen Taille nicht. Auch ich habe mich ganz schön reingezwängt...

Da ich eine neue Nähmaschine habe, mit der ich mich schon langsam gut eingegroovt habe, wagte ich ein paar Zierstiche. Sie hat so unglaublich viele, und ich bin gar nicht sicher, ob ich sie mal alle verwenden werde. Futtersäume sind ja ganz dankbar für so etwas, aber wo ich gerade dabei war, habe ich auch den richtigen Saum gleich mit "gezierstochen".




Dann die Bluse.
 

Sie war schneller genäht als der Rock, weil hier nicht mit so viel Stoff hantiert werden musste, und Falten kosten ja auch immer Zeit. Das einzige Thema waren hier die voluminösen Ärmel. Das waren einfach je Seite ein Rechteck, welches oben auf die Weite des Ärmels und unten auf die Weite der engeren langen Manschette eingereiht wurde. Fertig.
Gewählt hatte ich einen schwarzen Stoff, der optisch sehr gut zum Rockstoff passte. Allerdings war das reines Polyester, sodass ich befürchtete, ich würde mich darin nicht wohl fühlen. Mit einem Baumwollunterhemd darunter ging es aber.

Hier sind noch keine Knöpfe dran, aber man kann die Ärmelweite gut erkennen. Und den Plastikglanz des Stoffes!


Zunächst wollte ich schwarze Knöpfe haben, meine Freundin aber, die mit mir am Tage des Balles noch in den Stoffladen ging, um Knöpfe zu kaufen (manche Dinge ändern sich wirklich NIE!), sah diese hübschen filigranen messingfarbenen Knöpfe, und sie passten perfekt, stellten sie doch eine optimale Verbindung zwischen Rock und schwarz-goldener Maske und goldenen filigranen Ohrringen her. Besser ging es nicht.


Hier kann man vielleicht etwas erkennen, dass pro Manschette vier Knöpfe verwendet wurden!


Durch diese Knöpfe wirkte die Bluse noch etwas spanischer, aber das fand ich nicht unpassend.

Insgesamt haben Rock und Bluse perfekt harmoniert, und ich war unglaublich stolz, das Thema "Rokoko" so treffend und doch modern umgesetzt zu haben.

Morgen dann Fotos an der Frau.

Liebe Grüße,
Nastjusha



Mittwoch, 4. Februar 2015

Me Made Mittwoch im Premieren-Schluppenkleid

Ich nähe gern für Anlässe, und so einer ergab sich am letzten Samstag wieder einmal. Es gab eine Theaterpremiere, wo der Gatte mitspielte, und da das Ganze so eine Mischung ist zwischen Musical/Comedy/Splatter-Movie hatte ich nur das Gefühl, dass mein 70er-Stil diesmal irgendwie nicht passt.
Da erinnerte ich mich an ein Kleid aus der Burda 10/2014. Von allein wäre ich vielleicht nicht wirklich drauf gekommen, aber Lottie teilte damals bei Erscheinen des Heftes über twitter mit, dass sie das Kleid gern an mir sehen würde (danke, ohne dich wäre es nie dazu gekommen!). Und dann erst schaute ich mir das Kleid, welches praktischerweise auch noch eine Langgröße war, genauer an.


Interessant fand ich den zweistufigen Saum (vorn kürzer als hinten), die Taschen, den Ausschnittschlitz (vorn und hinten, allerdings musste ich ihn vorn mit einer Brosche zusammenhalten, das wäre doch sonst ein bisschen krass gewesen), die übergroßen Manschetten und vor allem natürlich die tolle Schluppe. Der Schnitt ist außerdem ein bisschen modern und dennoch zeitlos, ganz toll!

Ich hatte für das Kleid zuerst einen mittelgroß gemusterten Stoff aus dem Lager im Kopf, aber dann wären sämtliche Details des Schnitts untergegangen, also ging ich in den Stoffladen um die Ecke und erstand 4 Meter eines wunderbaren Viscosestoffs. Er ist dunkelblau und hat einen velourartigen optischen Effekt. Ich kann das gar nicht näher beschreiben, jedenfalls sieht der Stoff aus (und fühlt sich auch so an!) wie Seidencrepe. Im Winterschlußverkauf bekam ich den Stoff für ganze 28,- Euro, das war für 4 Meter wirklich gut.

Das Schlimmste an dem Stoff war seine Flutschigkeit. Das Zuschneiden dieser ellenlangen Streifen im schrägen Fadenlauf (vor allem die Schluppe) war wirklich ein Graus. Das Nähen dann war aus demselben Grund kniffelig und erforderte einfach (auch aufgrund der Einfarbigkeit des Stoffes) sehr sauberes Arbeiten. Und sauberes Arbeiten kostet Zeit... 

Auch hatte ich das erste Mal Probleme mit einer Burda-Anleitung. Das war in zwei Punkten eine Sprache, die ich nicht verstand. Ich zerbrach mir den Kopf (es ging um den zweistufigen Saum und die Durchzugsblende) und bastelte dann alles irgendwie einigermassen hin, dass es passt.

Der große Vorteil dieses Schnitts war wieder einmal, dass ich nichts ändern musste. Die Langgröße passte auf Anhieb und perfekt.

Ich habe mich in dem Kleid sehr wohl und sehr besonders gefühlt, und ich glaube, ich habe noch nie so viele Komplimente für eine Klamotte bekommen, von Männern und Frauen. Danke für diesen Ego-Pusher, Burda!



So reihe ich mich ein beim Me Made Mittwoch, wo heute Wiebke in einem Kleid vortanzt, was ich genau so sofort nehmen würde!


Liebe Grüße,
Nastjusha