Dienstag, 27. Januar 2015

Tuesday Tunes: Sohn

Nun gab es ja lange keine Tuesday Tunes hier, aber nachdem ich bemerkt habe, dass das Interesse an neuem Musik-Input auch in der Nähbloggerszene ungebrochen ist, versuche ich doch hin und wieder mal was beizusteuern und euch teilhaben zu lassen an der Musik, die ich gern höre.

An Sohn ist man im letzten Jahr nicht vorbeigekommen, wenn man sich für Indie interessiert, meinte mein Musikrecherchekönig-Bruderherz. Da ich aber oft in meinem Jazzsumpf untertauche, kriege ich doch vieles nicht mit, habe aber eben glücklicherweise einen "kleinen" Bruder, der mich immer mal wieder versorgt mit neuem "Stoff".

Zu Weihnachten also bekam ich von ihm das Debut-Album "Tempest" von Sohn, dem Musikprojekt eines Engländer names Christopher Taylor, der seit geraumer Zeit in Wien lebt. Ehrlich gesagt, habe ich so etwas noch nicht gehört. Man denkt, es ist eigentlich schon alles da gewesen (und wird doch immer wieder in dieser Auffassung bestätigt), aber hier gehen Indie-Pop und Elektronik eine Mischung ein, dass man das Gefühl hat, das muss genau SO sein und nicht anders. Die Stimme von Sohn könnte man fast als süsslich-poppig bezeichnen, aber dem entgegen steht ein rhythmisch-elektronisches Fundament, was Ecken und Kanten formt und einfach nur fett ist. Manchmal muss man einfach die Dinge beim Namen nennen.

Große Empfehlung für Zug- und Autofahrten!

Und hier die erste Single des Albums, welches 2014 erschien (auch weil das Video so schön zum Wetter passt):

Artifice von SOHN auf tape.tv.

Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 21. Januar 2015

Me Made Mittwoch im 70er-Rock

Schon länger möchte ich mir mal wieder einen Rock nähen, weil ich merke, dass ich meine wenigen bisher genähten Röcke sehr viel trage. Immer noch unglaublich für mich, habe ich doch bis vor zwei Jahren GAR KEINE Röcke gekauft/genäht/getragen, bis auf einen Maxirock im Sommer. Der Blog und ihr mit euren schönen selbstgenähten Rock-Outfits habt mich verändert, das kann man ganz klar sagen (ich verneige mich tief!).

Von meinem Newcastle-Cardigan-Desaster blieb mir außer schlechten Erinnerungen noch ein Meter Stoff übrig, den ich verbraten wollte. Der Wollstoff ist recht dick, und für ein mordsausgestelltes Schnittmuster reichte der Stoff auch nicht, deshalb entschied ich mich für ein Modell aus der September-Burda von 1970. Reizvoll fand ich hier den hohen und breiten Bund und die Schlichtheit des Schnitts (Abnäher vorn und hinten, hinten mittig RV). Alles andere wäre mit diesem superfransigen Stoff nichts geworden.


Da der Stoff knapp war, kürzte ich etwas und verwendete für den Bund einen dunkelbrauen Wollstoff aus meinem Lager. Leider ist der viel dünner als der andere Stoff, und trotz Einlage sieht man das auch. 




Besonders hier in der Rückenansicht fällt die Falte auf, aber ich kann gut leben damit. Mit dem Originalstoff wäre die Bundnaht auch sehr dick geworden, und auf eine Paspel zwischen beiden Teilen hatte ich sowieso keine Lust. Passt also schon.

Interessant ist an dem vorderen Bund auch der falsche Untertritt. Das schrie förmlich nach meinen ebenfalls von Newcastle übrig gebliebenen Knöpfen, die die Farben des Hauptstoffes aufnehmen und so eine Verbindung zwischen Rockteil und Bund herstellen. Ich habe sie dummerweise nicht ganz mittig aufgenäht, das muss ich morgen nochmal nachholen.


Ansosten bin ich mit diesem Rock gerüstet, falls es doch nochmal kälter werden sollte! Und ENDLICH können der Gatte und ich mal im Partnerlook auf die Strasse gehen!!! (Ich bin sehr gespannt, welche Auswirkungen das auf unsere Beziehung hat.)

Alle anderen selbstgeschneiderten Outfits findet ihr wieder hier auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog, wo heute der gesamte Leipziger Nähtreff unter Leitung der charmanten Sylvia von Frauenoberbekleidung vortanzt!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Montag, 19. Januar 2015

Faschingsball-Pläneschmieden

Anfang Februar gibt es in unserem Theater wieder einen Faschingsball.
Letztes Jahr waren die 60er das Motto, und meine hochfliegenden Stickerei-Pläne musste ich bleiben lassen aus Zeitmangel. Stattdessen motzte ich ein altes Weihnachtskleid auf, die gesamte Genese findet ihr hier.

Dieses Jahr also "Un Ballo in Maschera". Das zugehörige Foto zeigt eine Frau mit Maske, gepudertem und hochgestecktem Haar, und man kann erahnen, dass sie ein sehr barockes Kleid trägt.
Puh, dachte ich mir, was mache ich da nur? Sicherlich werden viele Damen einfach ein Abendkleid tragen und eine Maske dazu aufsetzen. Das ist ja völlig legitim, aber mir ist das zu wenig.

So ein Rokoko-Kleid allerdings, wie ich letztens im Kunstgewerbemuseum Berlin sehen durfte, kriege ich wohl kaum hin:


Suschna hat hier bereits die modehistorische Ausstellung des Kunstgewerbemuseums erwähnt und in Vergleich gestellt. Ich persönlich bin noch nicht so viel herumgekommen wie sie in modefachspezifischen Ausstellungen, und ich fand diese des Kunstgewerbemuseums ganz gut. Auch wenn die Hintergrundinformationen sich im Rahmen hielten und auch der Charme vor allem der Ausstellung der Mode bis 1850, so waren meine Augen nach dem Besuch doch sehr zufrieden. Manchmal wäre ich schon gern um die Kleider herumgegangen, da sie in großen Vitrinen ausgestellt sind, ging das nicht, und ich habe mir einmal wortwörtlich die Nase am Glas plattgedrückt, um die Machart eines Paco-Rabane-Kleides genauer zu sehen.

Hier hält Suschna uns übrigens über interessante Ausstellungen auf dem Laufenden, was für ein Service... vielen Dank dafür!!

Zurück zu meinen Plänen:
Hinzu kommt, dass ich bereits einen Stoff habe, den ich unbedingt verarbeiten möchte. Eine befreundete Dirndldesignerin machte mir vor Weihnachten ein Riesengeschenk und führte mich in ihren Keller, wo die Stoffe der alten Kollektionen lagen und Reststücke. So kam es, dass ich mit meterweise Jaquardstoffen und anderen Kostbarkeiten heimfuhr. Ich bin ausgeflippt!!
Unter anderem bekam ich 7m von diesem herrlichen Stoff hier (sieht aus wie Wildseide auch von der Struktur her, ist aber Kunstfaser, evtl. sogar 100% Polyester):



Da die Motive riesig sind, fiel von vornherein ein Kleid mit Teilungsnähten aus, leider.
Ich dachte also, es kommt nur ein Rock in Frage.

(Nachdem ich den Stoff kurz twitterte, kam das Recherche-Wunder Suschna gleich mit einer Assoziation um die Ecke: Bei diesem Kleid wurden Landkarten von Piloten des 2. Weltkriegs weiterverwendet, schaut euch das unbedingt an.)

Eher hoffnungslos machte ich mich an meine Zeitschriftensammlung und wurde ziemlich schnell fündig in einer Patrones Fiesta (Nr. 287):


Ich habe im Netz leider keine genähten Beispiele dieser Kombination gefunden und hoffe jetzt einfach mal, dass das einigermassen aussieht. An sich finde ich das eine gelungene Mischung aus tragbarer Ballmode und barockem Charme.
Dann schaute ich noch im Stofflade um die Ecke vorbei und kaufte einen passenden schwarzen Blusenstoff, der ebenfalls wie Wildseide aussieht, das sollte also passen.


 Leider bin ich über´s Wochenende gerade mal dazu gekommen, den Rockschnitt auszuradeln, aber ich hoffe mal, der ist einigermassen schnell gemacht in dieser Woche.
Drückt mir die Daumen, bis zum 6.2. muss alles fertig sein, und ich hoffe nicht, dass das wieder so eine Last-Minute-Aktion wird wie meistens...

Liebe Grüße,
Nastjusha


Mittwoch, 14. Januar 2015

Me Made Mittwoch in Leo-Giraffen-Designer-Kopie

Ich werde jetzt keine Worte verlieren über den ach so faulen und dann mit einem mal wieder ereignisreichen Jahresbeginn. Nein, ich mache jetzt einfach weiter, frisch und froh und voller Pläne für das neue Jahr! Nach einer kleinen Blog-Auszeit und einem Kurztrip in die Hauptstadt bin ich wieder am Platz und habe schnell noch den Saum von meinem neuen Kleid fertiggenäht, damit ich auch mal wieder was zeigen kann.

Denn viel genäht habe ich im Dezember nicht. In den Weihnachtsferien habe ich dann aber wieder ein wenig Muße gehabt und endlich eine meiner tausend Ideen angefangen umzusetzen.

Im Rahmen meiner kleinen 36er-Alterskrise habe ich im letzten Jahr so viel pflegende Kosmetik gekauft wie noch nie! (Soviel sei verraten: ich bin wieder im Reinen damit, ob der Effekt jetzt eingebildet ist oder nicht, ist mir wurst. Aber ich habe mir was gegönnt und mich luxuriös gepflegt, und das allein hilft glaube ich schon ziemlich!) Jedenfalls kam zu einer Bestellung ein kleines Lookbook des teuersten Designer-online-Shops als Beilage. Die können ja nicht wissen, dass ich sowas nicht brauche... :-)

Dort habe ich folgendes Kleid von Carven entdeckt und mich sofort verliebt:


Da ich nicht vorhabe, jemals 550,- Euro für ein Kleidungsstück auszugeben, schaute ich mir diese ganzen Fotos nur unter Inspirationsaspekten an. Und machte mich gleich auf die Suche nach einem passenden Schnitt. In der Oktober-Burda von 1971 wurde ich fündig.


Und auch einen passenden Stoff hatte ich gleich zur Hand: einen wunderbar hochwertigen und weichen Viskose-Romanit, den ich im letzten Jahr mit der lieben Yvonne bei Hüco gekauft habe, denn die Kombi Tierprint/Fake-Fur - Metallreißverschluß finde ich sehr interessant.

Leider erwies sich das Kleid wieder einmal als große Baustelle. Ich habe die übliche Änderung von der alten Gr.42 vorgenommen und hier in die vordere Mitte einen Reißverschluß eingenäht. Außerdem habe ich einen Kragen drankonstruiert, andere Ärmel verwendet (die vom Tageskleid) und das Rockteil ausgestellt und gefüttert. Nachdem das alles soweit fertig war, musste ich feststellen, dass mir das Kleid MASSIV zu groß war! Der Himmel weiß warum (ok, die letzten Schwangerschaftskilos sind mit einem Mal verschwunden), aber besonders an den Schultern und im ganzen Oberteil hing das Kleid an mir wie ein Sack. Also alles wieder aufgetrennt, was ja mit kleinem Zickzackstich mörderisch Spaß macht.
Nun ist es immer noch ein wenig zu groß obenrum, aber wir kommen klar, wir zwei. Jetzt weiß ich, was anders ist, und da ich so viel Arbeit in den Schnitt investiert habe, kommt gleich ein unifarbener Zwilling aus einem schönen orangenen Wolljersey von der hübschen Wiebke hinterher.
Da muss ich dann auch keine Paspeln machen, denn mit meinem ersten Paspelversuch bin ich nicht hundertprozentig zufrieden, muss ich gestehen, und den Kragen kann ich dann auch noch optimieren von der Form her, der gehört anders. Der wunderschöne Romanit ist nun also fast ein Probekleid geworden, aber er hat noch die Kurve gekratzt und wird ein gern getragenes bequemes Kleid, da bin ich sicher!

Hier also zum ersten regulären Me-Made-Mittwoch des Jahres meine lustigen Versuche, das Modell nachzuahmen.



ach ja, die Taillennaht werde ich wohl noch absteppen, die ist etwas steif und dick geraten


Diese ganze Hampelei erfolgte übrigens zu folgender Musik, die ich in den letzten Tagen gehört habe:



Und nun endlich mal wieder Me-Made-Mittwoch-Stöbern - wo heute die wunderschön geschmückte Dodo anführt - das habe ich zu lange nicht getan. Jetzt aber wieder da!


Liebe Grüße, und ich hoffe, ihr seid so frisch und motiviert für 2015 wie ich,
Nastjusha