Sonntag, 27. Juli 2014

Stoffspielerei im Juli: Sashiko

Ich bin ganz aufgeregt, denn heute nehme ich das erste Mal an einer Stoffspielerei teil, nachdem ich alle so interessanten Themen dieser Reihe immer sehr neugierig verfolgt habe und oft dachte "Das MUSST du unbedingt mal ausprobieren".
Diesmal ist nichts dazwischengekommen, sodass ich das Thema "Sashiko", welches frifris ausgerufen hat, auch mal mitmachen konnte.

Ich muss zugeben, von dieser Art zu sticken habe ich vorher noch nie gehört. Neugierig klickte ich also auf das Pinterest-Board, welches von frifris in der Vorankündigung verlinkt wurde und es geschah das, was sie vorausgesagt hat: ich konnte mich nicht sattsehen an den verschiedensten Ausführungen dieser schönen japanischen Stickereien, traditionellerweise weiß auf blauem Grund, mal mit schlichten, mal mit aufwändigen Ornamenten.

Immernoch unschlüssig, ob ich es zeitlich schaffe, nahte der Abend, an dem ich mir Woody Allens "Midnight in Paris" ansehen wollte. Sonst finde ich seine Filme sehr nett (als Jünger würde ich mich jetzt nicht bezeichnen), aber diesen fand ich so langweilig, dass ich mir kurzerhand ein Stück altes grobes Leinen aus dem Keller meiner Oma nahm und in dem riesigen Haufen von DDR-Sticktwist (gleiche Quelle) einen dunkelblauen heraussuchte um ganz spontan zu starten.

Sehr unkreativ nahm ich mir das schlichteste Muster vor, welches ich hier in dem Beitrag der Berlin Modern Quilt Guild fand. Wer das Muster erdacht hat, möge mir meine plumpe Kopie verzeihen!
Ich nahm mir einen Bleistift und zeichnete das Raster von rechts auf das Leinen. Während des Stickens verwischte ich es etwas und musste nachzeichnen. Beim nächsten Mal (und das wird es definitiv geben) werde ich die Variante der Musterübertragung wählen, die auch Frifris gewählt hat: das Muster mit der Vlieseline aufbügeln und von links sticken.
Leider existieren keine Fotos vom Stickprozess, eben weil ich abends gestickt habe. Aber ich habe von rechts gestickt, mit einer Sticknadel, und immer drei Stiche auf einmal stickend.
Gebraucht habe ich für das Muster (ca. 30x30cm) ungefähr 5 Stunden. Es ging ziemlich flott und machte wirklich Spaß, weil mal so schnell ein Ergebnis sehen konnte!


Danach nähte ich alles zusammen, mit türkisfarbenem Baumwollfutter, und zimmerte mir meine derzeitige Lieblings-Sommertasche. Perfekt zum Fahrradfahren auf dem Hollandrad, hält gut auf der Schulter, birgt Platz für alles Mögliche und passt zu fast jedem Outfit. Was will ich mehr?




Nun warte ich schon auf das von mir bestellte Buch und freue mich auf nächste Sashiko-Stickereien (dabei bin ich gar kein großer Japan-Fan - findet da etwas gerade eine Annäherung statt?).
Vorher aber schaue ich mir an, was die anderen Teilnehmerinnen gestickt haben.

Liebe Grüße und danke liebe Frifris, das war eine super Idee!
Nastjusha

Sonntag, 20. Juli 2014

Nix für Lemminge 3: Mustermix - Finale!

Lange hat es sich gezogen, mein Mustermix, und wie immer werde ich nur auf die letzte Minute fertig. Aber was lange währt und so.

Hier kann man sich über meine Überlegungen zum von Alex ausgerufenen Nix-Für-Lemminge-Thema "Mustermix" informieren, Stoff- und Schnittauswahl anschauen.
Im Großen und Ganzen ist es bei allem Geplanten geblieben, und es ist auch alles fast so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Zunächst nähte ich den Rock, wobei der Proberock nach dem zunächst ausgewählten Patrones-Muster mich nicht überzeugen konnte. Ich suchte also ein wenig herum und fand schließlich in der Burda 04/07 einen schlichten Glockenrock, den ich von Knielänge auf Bodenlänge verlängerte. Das war schwieriger als ich dachte. Entweder hat die Verlängerung eines Glockenrocks eigene Regeln oder der schräge Fadenlauf tat sein Übriges: der Rock ist leider auch nach mehrmaliger Korrektur nicht gleichmässig lang geworden, vorn ist er deutlich länger als hinten. Aber das muss ich bei Gelegenheit nochmal korrigieren. Ansonsten finde ich das Muster des Stoffs toll, und genauso habe ich mir den Rock von Silhouette und Fall her vorgestellt. Außerdem habe ich nur ein Vorder- und Rückteil gehabt, sodass ich die schönen großen Blumen nicht zerschneiden musste.

Danach nähte ich die Hemdbluse nach meinem altbewährten Schnitt aus der Patrones Nr. 241. Das ging ziemlich flott, und ich habe die Bluse schon sehr in mein Herz geschlossen. Der Stoff ist ein altes 70er-Schätzchen aus dem Keller meiner Oma, ist minimal transparent (man muss trotzdem außer Unterwäsche nichts weiter drunterziehen) und stretchig, sodass die Bluse unglaublich bequem ist. Nachteil ist, dass das wohl reines Polyester ist, sodass ich bei diesen Temperaturen gar nicht rausgehen brauche damit. Davon abgesehen habe ich mir damit ein neues Lieblingsteil genäht!


huch, hier ist aber mit den Farben was schiefgelaufen


Dann machte ich mich an den Blazer nach einem Schnitt aus der Patrones 323.
Puh, das war eine schwierige Geburt. Erstmal ging es darum ordentliche Klappentaschen im vorderen Abnäher zu machen. Gut, wieder was gelernt, aber das war eine ziemliche Friemelei.
Dann kamen die komischen Einsätze an der Schulter zur Ärmelnaht dran. Im 90-Grad-Winkel-Nähen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsaufgaben, aber irgendwie habe ich es dann gemacht. War sicher nicht so vorgesehen, aber ich habe die kurzen Seiten einfach aufgesteppt statt ordentlich von innen zu nähen.


Diese Einsätze haben jedenfalls auch einen schnitttechnischen Sinn und sind nicht reine Zierde. Dadurch ist die Armkugel extrem flach geworden und die Schulter hat viel Raum. Bei der nächsten Anprobe wunderte ich mich, warum alles so komisch an mir hängt und überhaupt nicht sitzt. Außerdem waren die Armlöcher unten extrem tief ausgeschnitten. Irgendwas stimmte nicht.
Schließlich sah ich mir das Foto in der Patrones nochmal genauer an und es schoss mir in den Kopf: Schulterpolster!! Und das mir, die Schulterpolster von vornherein immer ausschließt! Da stehe ich eigentlich gar nicht drauf. Aber was sollte ich tun, rein mit den Dingern. Und so schlimm sieht es dann doch nicht aus, wirkt immernoch natürlich.
Das Füttern und Säumen dauerte wie immer viel länger als gedacht. Über den gestern im Stoffladen um die Ecke gefundenen Knopf freute ich mich aber sehr:

   


Ich musste beim letzten Anprobieren doch noch ganz schön herumzupfen. Das Revers habe ich breiter gebügelt als vorgesehen, weil es schmaler ganz ganz komisch saß. Jetzt sieht es aber nicht  nach meinem Geschmack sondern ziemlich altbacken aus. Muss das nochmal ausprobieren und ändern. Für die Fotos jetzt mal so.
Insgesamt finde ich den Blazer so lala. Er ist fast gar nicht tailliert und sitzt etwas sperrig.

Und nun das Ensemble an der Puppe:


Tragefotos mit Gürtel (den zunächst vorgesehenen Schlangenprint-Gürtel musste ich erstmal weglegen, der hat nicht gepasst, weil es ein absoluter Hüftgürtel ist) und Schühchen. Einen passenden Sonnenhut mit breiter Krempe habe ich auch noch, aber leider hat den Kind Nr. 1 gestern geschrottet. Ich weiß, was ich heute abend mache.






Das Rock-Blusen-Ensemble liebe ich! Freue mich schon sehr darauf es bald gemeinsam zu tragen und werde den Rockschnitt aus der Burda sicher nochmal in seiner Originallänge nähen.
Ob der Blazer und ich Freunde werden, ist noch ungewiss. Die 3/4-Ärmel gefallen mir sehr, aber wenn ich das Reversproblem nicht ändern kann, werde ich ihn so wohl nicht anziehen. 
Gestern abend noch, als ich ihn nähte und nebenbei die Live-Übertragung vom Melt-Festival auf arte online ansah, klickte ich bei den Videos dort herum und stieß auf das Konzert von Röyksopp mit Robyn (hier der Link, das Konzert ist für die nächsten paar Wochen online zusammen mit anderen tollen Konzerten vom Festival in Ferropolis). Die Sängerin sieht so aus, als ob sie eben mit der Zeitmaschine aus den 80ern gekommen ist! Ich musste wirklich laut lachen! Und jetzt - seht mich an. Viel besser sieht der Blazer auch nicht aus.
Oder?

Und nachdem ich heute absolut alles und jeden vernachlässigt habe, werde ich jetzt mal mit den Kindern rausgehen, bevor ich am Abend hier bei Mamamachtsachen das Finale anschaue!

Liebe Grüße und danke für die tolle Aktion mit diesem herrlichen Thema, Alex - es war mir eine Freude!
Nastjusha


Mittwoch, 9. Juli 2014

Me Made Mittwoch im Seiden-Proberock

Puh, gerade noch zur letzten Ausgabe des MMM vor der Sommerpause geschafft.
Und dieses Mal gibt es dort auch noch ein Thema: ich packe meine Koffer.
Hm, ich mache keinen großen Urlaub sondern gondele mit den Jungs durch Deutschland und mal an die Ostsee, aber dennoch könnte ich mir dieses Outfit gut im Urlaub vorstellen. 
Wie kürzlich hier berichtet, habe ich einen Proberock zur Mustermix-Aktion genäht. Verwendet habe ich einen Seidensari, der sich wirklich toll anfühlt (der Rock hat kein Futter). Da schaue ich auch mal großzügig über unvorteilhafte Bundkräuselung und verschnittenen Saum hinweg.


So kann ich mit der Bundkräuselung schon leben. Gut, ist ganz schön leger so mit Jerseykaufshirt und Römerlatschen, aber das passt für mich schon. Seide als Understatement sozusagen.


Hier sieht man ansatzweise, was für eine Weite der Rock hat. Zum Drüberbügeln hatte ich auch keine Lust, wie der aufmerksame Leser bemerkt haben wird.


Der Obi-Gürtel passt farblich und geht eigentlich auch ganz gut, finde ich.


Ach, jetzt, wo ich wieder mehr Zeit hätte zum Schmökern, gibt´s keinen MMM. Schade!
Dafür gibt´s ja den Dirndl-Sew-Along mit Julia und den Mustermix Nr. 4 bei Alex. Wer will, kann sich also auch über die Ferientage unter fachkundiger Anleitung kreativ austoben.... :-)

Dem Me-Made-Mittwoch-Team jedenfalls wünsche ich einen schönen Sommerurlaub und Erholung vom Vorturnen, Kommentieren und Organisieren! Freue mich auf den Herbst mit euch!

Jetzt aber in Ruhe hier schauen, was die anderen zum "Abschied" tragen...Cat führt gleich eine ganze Urlaubsgarderobe vor und hat mich sehr für das Nuvem begeistert!

Liebe Grüße,

Nastjusha



Sonntag, 6. Juli 2014

Hauptsache Seide: vom missglückten Mustermix-Proberock

Jetzt muss ich mich aber sputen mit dem Mustermix, damit ich beim Finale bei Alex von Mamamachtsachen mein Zeug zusammen habe. Mit Schrecken habe ich gesehen, dass sie vor ein paar Tagen schon das Thema für die 4. NFL-Herausforderung ausgegeben hat: Märchen... hach, schon wieder soooo interessant für mich.

Nach einer ordentlichen Nähpause (ich habe mein Zimmer umgeräumt, um Arbeits- und Nähbereich mehr zu trennen, und gleich habe ich nicht mehr genäht - hat ja super funktioniert!) habe ich mich hingesetzt und den Proberock für meinen Mustermix-Rock (hier vorgestellt) nach einem Schnitt aus der Patrones Nr. 304 genäht. Ich hatte ja den Verdacht, dass er in der Taille und überhaupt auftragen könnte und habe extra einen dünnen Stoff gewählt, der auch einen Musterrapport quer hatte, sodass ich den Stoff wie im Schnittmuster gewollt zuschneiden konnte: nämlich mit der Fallrichtung quer zum Fadenverlauf.
Verwendet habe ich einen Seidensari, der schon seit bestimmt 6 Jahren in meiner Kommode lungert. Ich wusste einfach nicht, was ich daraus nähen sollte, zumal der Stoff superdünn ist und ich von Wiebke gehört habe, dass Seidensaristoff an den Nähten gern mal reißt.
Manch einer wird denken, der Stoff sei zu schade für ein Probemodell, aber ich bin ja auch ein bisschen davon ausgegangen, es würde ein tragbares werden. Und außerdem wollte ich nicht die nächsten Jahre immer nur sehnsüchtig über den Stoff streichen anstatt ihn zu vernähen.


Das Zuschneiden war nicht so nett, weil der Stoff sich permanent verzog und wegflutschte: da wünschte ich mir kurz mal einen Teppichbelag. Auch bin ich kein Fan von Einreihen und so.
Aber an sich ist der Rock natürlich ratzfatz genäht. Auf das Futter habe ich verzichtet, denn die Seide ist trotz ihrer Leichtigkeit nicht durchsichtig.
Leider verzog sich der Saum an den Seiten so nach unten, dass ich regelrechte 10cm-Zipfel an den Seiten hatte. Sah nicht gut aus. Also musste ich den Saum korrigieren, was zur Folge hatte, dass ich einen Teil des Musters wegschneiden musste. Im übrigen hatte ich auch beim Zuschneiden Probleme das Muster bei beiden Schnittteilen komplett gleich zu verteilen - das sieht man nun natürlich an den Seitennähten. Egal.

Und es kam wie gedacht: der Rock trägt auf. Und zwar nicht nur ein bisschen. Ich habe gelernt: nie wieder einen Rock mit Kräuselung am Bund nähen. Geübt in vorteilhafter Selbstdarstellung, habe ich aber doch noch eine Kombi gefunden, wie ich den Rock einigermassen vertragen kann, ohne dass ich aussehe wie eine Hausfrau aus dem Biedermeier. Am Mittwoch dann also Tragefotos.

Einen enormen Vorteil hat der Rock aber: ich kann riesige Schritte in ihm machen! Und ich spüre ihn kaum an den Beinen, so leicht ist der Stoff, ein tolles Gefühl.

Hier sieht man schön, dass der Stoff auch eine spinnennetzähnliche Struktur hat (nicht die Knitterfalten!).

Tja, auf den Saum da unten am Boden schaut doch eh keiner, oder?

Jedenfalls bin ich gleich mit meinem Sonntagstee auf die Suche nach einem neuen Schnittmuster gegangen. Es gibt so schöne Rockschnitte, aber die meisten haben mehr als zwei Rockbahnen. Außer Trapezröcke - und so einer wird es letztendlich, ein langer halt.

Fündig geworden bin ich in der November-Burda von 1974. Gebt euch das mal:


Sieht doch aus wie aus einem tschechischen Märchenfilm aus den 70ern... Halt, vielleicht was für die nächste NFL-Herausforderung? ;-)
Ich gehe gleich mal kopieren, erstmal nur den Rock.

Einen schönen Sonntagabend wünscht
Nastjusha