Samstag, 29. März 2014

Wahlpartykleid nach Burda 01/1970 und FJKA-Aufgabe

Hier ist gerade der Teufel los. Ich komme wenig zum Nähen und noch weniger zum Stricken. Daher muss ich leider gleich zu Anfang mal den FJKA schmeißen. Schade schade, aber ich bin nicht so die passionierte Strickerin, die jede freie Minute dazu nutzt. Zum Stricken muss ich in besonderer Stimmung sein, und gerade bin ich mehr am Nähen interessiert, weil es relativ schnell geht und ich erfolgreich im Stoffabbau bin...

Wie einige vielleicht bereits festgestellt haben, bin ich ein Fan von Anlaßnäherei.
Morgen ist OB-Stichwahl, und alles sieht nach einem haushohen Sieg des SPD-Kandidaten aus, in Bayern ist das ja eher die Seltenheit. Ich habe also allen Grund mich auf die Wahlparty morgen abend zu freuen und wollte mir dafür ein schnödes rotes Kleid nähen. So platte Statements sind manchmal schon ok, finde ich.

Vor ewigen Zeiten habe ich einen roten Baumwolljersey ersteigert, mit kleinen weißen Tulpen drauf. Das war, bevor ich meine Jersey-Phobie entwickelte. Aber wir wollen ja alle an uns arbeiten, und außerdem war das der einzige rote Stoff, den ich im Lager hatte. Also wagte ich den Versuch, denn der Jersey war zwar relativ dünn aber nicht so extrem stretchig.
Anforderungen an den Schnitt waren: Hemdblusenkleidschnitt, wenig Nähte (ich wollte auf die Overlock verzichten, weil ich keine Lust hatte den schwarzen Faden zu wechseln, und wollte mit normalem Geradstich nähen), leicht ausgestelltes Rockteil, schmale Linie, 3/4-Ärmel, schöner Kragen. Ach ja, und 1,90 x 1,30m mussten auch reichen.
Nach einiger Suche fand ich diesen Schnitt hier in der Januar-Burda von 1970.


Es ist wieder die Größe 42, wobei ich mir schon dachte, sie würde diesmal etwas größer ausfallen bei Verwendung eines Jerseys. Ansonsten wurde der Schnitt meinen Anforderungen fast ganz gerecht. Die Ärmel habe ich nur etwas verlängert (und natürlich wie immer das Oberteil vorn und hinten um 2cm) und die große Tasche unten weggelassen.
Herrlich: wiedermal hat sich die alte Burda selbst übertroffen und kommt in der Nähanleitung mit ganzen 6 Sätzen aus!


Blöd nur, wenn man noch nie einen Schlitz mit Patte genäht hat. Aber ich wurschtelte mich irgenwie durch und finde diese Ausschnittlösung eigentlich ganz einfach und praktisch, denn ich mag es  lieber, wenn das Hemdblusenkleid nicht bis unten zugeknöpft werden muss.
Das Vorderteil wird dabei im Stoffbruch zugeschnitten und von oben bis zum angedachten Schlitzende eingeschnitten, nicht ganz in der Mitte sondern ca. 1cm rechts davon.
Dann wird die Knopfleiste separat zugeschnitten, zweimal, zusammengenäht und durch das Loch am oberen Ende gewendet, abgesteppt. Diese Knopfleiste habe ich dann einfach auf die rechte Seite - links auf rechts, draufgesteppt. Die Knopfleiste ist dabei etwas länger als der Schlitz und der Untertritt und wird unten mit einem Kreuz auf das Vorderteil gesteppt.
Wohl sollte man erst den Untertritt (den habe ich ebenfalls gedoppelt, gewendet und abgesteppt) auf die linke Seite nähen, ich hab´s andersherum gemacht. Wie gesagt, ich habe mich irgendwie durchgewurschtelt und bin jetzt eigentlich zufrieden. Sieht von links nicht soooo toll aus, aber ich kann damit leben.


Außerdem habe ich 5 statt 4 Knöpfe angenäht und bei der Neuberechnung der Abstände vergessen, dass ja oben am Kragensteg auch noch ein Knopf hinmuss. Mal sehen, ob ich das noch nachhole, dann wäre der Abstand zwischen den beiden oberen Knöpfen aber etwas kürzer. 


 Und: ich habe meinen persönlichen Lieblingskragen für Hemden gefunden. Genau so muss er sein!


Na, wer findet auf diesem Suchbild die Brusttasche?


Und hier nochmal im Ganzen.
Das Kleid fällt sehr locker und ist saubequem. Ich werde es morgen mit dunkelblauem Pullunder (dann kommt der große Kragen noch besser zur Geltung) und Hose tragen.
Tragefotos wie immer am Mittwoch.


Ein sonniges Wochenende euch und liebe Grüße,
Nastjusha

Dienstag, 25. März 2014

Tuesday Tunes: Nataly Dawn

Mangels Zeit heute kurz und bündig der Hinweis auf einen Song, den ich gerade im Loop höre.
Nataly Dawn ist eine amerikanische Singer-Songwriterin und hat ´s mit ihren youtube-Cover-Versionen ganz schön weit gebracht: ihre große Fangemeinde finanzierte ihr auf einer Crowdfunding-Plattform ihr neues Album. Finde ich super, sowas.


Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 19. März 2014

Me Made Mittwoch: Burda-Jacke von 1970

Mir ist von meiner grünen Lieblingskaufjacke ein Goldknopf abgefallen. Großes Drama. Ich bin viermal die Strecke mit dem Fahrrad abgefahren und habe ihn nicht gefunden. Jetzt muss ich mangels Ersatzknopf (Frechheit bei der Preisklasse) ein ganzes Set neuer Knöpfe kaufen und erstmal so schöne finden. Eine neue Frühlingsjacke musste also her.
Außerdem wird der aufmerksame Leser bemerkt haben, dass ich gerade mal wieder meiner 70er-Leidenschaft fröne.

Burda 02/1970 mit vorbildlicher Karoverarbeitung

Yvonne hat letztens bei der Vorstellung ihres hinreißenden Mantelkleids schon ein Loblied auf die alten Burda-Schnitte bezüglich ihrer Passform gesungen. Dem schließe ich mich hiermit offiziell an.
Nicht nur, dass mir der Stil der Schnitte gefällt, ich muss auch sagen, mit der Gr. 42, die in etwa einer heutigen 40 entspricht, kann ich sicher gehen, dass mir der Schnitt passt (bis auf die übliche Längenerweiterung im Oberteil). Die Brustabnäher sitzen, die Taille passt, und eine vorteilhafte Silhouette ist garantiert. Das liegt wohl an dem körpernahen Schnitt, der weniger kastig ist sondern verhältnismässig mehr "Sanduhr"-Silhouette (wobei ich weit entfernt bin davon!) hat und mit vielen Abnähern auskommt - besonders die Schulterabnäher am hinteren Halsausschnitt (wie frifris schon im begeisterten Chor der Yvonne-Kommentatoren bemerkte) sind heute gar nicht mehr vorhanden, ebensowenig wie die Ärmelabnäher auf Ellbogenhöhe. Auch die Armkugel ist deutlich schmaler als heutzutage - für mich als Einreih-Phobikerin perfekt.
Leider habe ich zu spät bemerkt, dass der Stoff doch irgendwie einen Rapport hat und nicht wild durcheinander gewebt ist. Die Streifen passen an den Nähten so gut wie nirgends zusammen.


Schulterabnäher oben

Ärmelabnäher

Aber ersteinmal zum Stoff. Ihn habe ich im letzten Herbst bei meinem Ausflug auf den Maybachufer-Stoffmarkt mit Wiebke und Vera erstanden. Er war ziemlich versteckt, aber nachdem ich ihn gesehen habe und ob seiner Farbigkeit ziemlich für ihn war, dachte ich kurz, der ist für eine Jacke vielleicht doch zu krass gemustert. Wiebke überredete mich aber mit leuchtenden Augen, und so nannte ich kurz darauf 3 Meter mein eigen. Darüber bin ich froh! Denn ich finde mittlerweile gar nicht mehr, dass er zu auffällig gemustert ist für eine Jacke.
Einziges Problem bei der Verarbeitung war die Qualität des Stoffs, d.h. seine Webart. Er ist so locker gewebt, dass er noch viel fransiger war als mein Newcastle-Cardigen-Stoff. Daher habe ich lange überlegt, wie ich hier mit (Web-)Einlage arbeite. Letztendlich habe ich komplett das Vorder- und Rückenteil unterlegt und auch die Belege. Einzig die Ärmel habe ich nur in der Armkugel unterlegt.
Zusätzlich musste ich alle Schnitteile vor Verarbeitung mit Zickzack absteppen, damit sich nicht alles komplett verzog.
Trotz aller Vorsicht gibt es einige Stellen, an denen es sehr kritisch wurde, u.a. bei den Paspeltaschen. Das sieht hier nicht so schlimm aus, aber die ganze Konstruktion ist äußerst fragil. Am liebsten würde ich einmal mit Kleister drübergehen.


Und auch am Kragen und Beleg gibt es Stellen, die mir nicht hundertprozentig gelungen sind, aber nun ja, es ließ sich irgendwie kaum vermeiden.
Die tollen Vintage-Knöpfe habe ich ebenfalls auf dem Markt gekauft, ich nenne sie nur Toffifee-Knöpfe. 

Futter bügeln ist doch irgendwie auch unnötig, hust... Hier sieht man auch schön die Webart: jeder Farbkasten besteht aus ca. 4 Wollfäden, jeweils längs über quer gewebt und umgekehrt (verständlich?)

Komischerweise war der untere Teil des Belegs angeschnitten und der obere nicht, sodass ich beim Zusammentreffen der Belege nochmal mit Zickzack drübertackern musste, sonst hätte das nie im Leben gehalten. Hier sieht man auch noch das grüne Futter ein wenig und meine schicken Knopflöcher (da habe ich mir die Paspelknopflöcher nicht angetan). Ach ja, und die Paspeltaschen sind auch nicht ganz auf gleicher Höhe, außerdem ist die linke von den Paspeln her etwas ungleichmässig geworden: die obere Paspel ist etwas breiter geworden und hängt über wie die optimistisch aufgespritzte Oberlippe eines Hollywoodstars.

Wenn man also genau hinschaut, ist die Jacke alles andere als perfekt verarbeitet, aber sie passt mir sehr gut, ich werde die Knöpfe sogar noch ein wenig reinversetzen, die Jacke sitzt komischerweise recht locker. Außerdem passt sie auch hervorragend zu meinem Genossinnen-Kostüm, wie man hier erahnen kann.
Ich könnte mir gut vorstellen, den Schnitt nochmal aus einem anderen Stoff zu nähen, denn mir gefällt er sehr gut. Die schrägen Paspeltaschen haben was!

Die Knöpfe kommen eigentlich nicht ganz so dunkel rüber, ich musste etwas aufhellen

Hier noch schnell ein paar Tragefotos mit Jeans (die passt so la la, aber ich hatte keine Zeit für großes Styling), und damit reihe ich mich ein in die Riege von Selberschneiderinnen, die ihre Kleidung auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog präsentieren, heute angeführt von Meike.

ich glaube, ich muss das Bild mal wieder geradehängen, da wird einem ja schwindelig beim Hinsehen





Liebe Grüße,
Nastjusha


Dienstag, 18. März 2014

Tuesday Tunes: Manfred Krug

Oh, ich sehe verwunderte Gesichter: Liebling Kreuzberg bei den Tuesday Tunes?
Aber nein, heute gibt´s was vom Sänger Manfred Krug. Und damit meine ich nicht den trällernden Tatort-Kommissar, sondern den jungen Sänger aus den 70er Jahren.

Regelmässig, wenn ich gute Laune habe, krame ich meine CD "Das war nur ein Moment/ Ein Hauch von Frühling" (beide LPs von ´71 und ´73 auf einer CD) heraus.
Und gerade habe ich extrem gute Laune: die Kommunalwahlen hier in der Oberpfalz haben der CSU eine grandiose Niederlage verschafft, es weht also der Wind der Veränderung, und außerdem kommt der Frühling!

Der 1937 geborene Schauspieler/Sänger/Schriftsteller hat ein äußerst bewegtes Leben hinter sich. Wer mag, kann hier nachlesen und sich auch von seiner Filmografie und Diskografie beeindrucken lassen.
Meine erste Begegnung machte ich mit Manfred Krug in seiner Rolle als König Drosselbart.  Na gut, es gab andere Prinzen, die ich mehr angeschmachtet habe... Und dann kam glaube ich mal eine Folge von "Auf Achse". Das war´s mit meiner Bekanntschaft mit dem Schauspieler Krug. (Einen Tatort mit ihm habe ich leider nicht durchgehalten.)
Viel mehr habe ich ihn auf musikalischer Ebene kennengelernt, als ernsthaften Jazzsänger und auch als Schlagersänger!

Eigentlich verachte ich Schlager, deutschen Schlager jedenfalls, wie er in diversen Monster-Fernseh-Shows und Jahreszeiten-Shows in ausverkauften Tausender-Hallen die Seelen von Millionen Menschen weichspült und verblassen lässt. Aber egal, jeder nach seiner Facon.

Eine Ausnahme dieser persönlichen Antipathie bilden ein paar Schlager der 60er und 70er, und dazu gehören die schicken Lieder auf besagter Doppel-CD, die Manfred Krug noch in der DDR aufgenommen hat, bevor er aufgrund seines Mitprotests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns Teilberufsverbot erteilt bekam und ein Jahr später 1977 seinen Ausreiseantrag genehmigt bekam und nach Westberlin zog.
Jedes Lied hat da seinen eigenen Reiz: witzige und ironische Texte, die man dem jungen, eigentlich doch ganz hübschen Krug voll abnimmt, kombiniert mit schönen Melodien, interessanten Harmonien, tollen Bläserarrangements, flirrender Hammondorgel, der obligatorischen Querflöte und hinreißenden Background-Säusel-Sängerinnen. Bemerkenswert sind auch die Rhythmen: die sind zum Teil nämlich echt kompliziert. Auch sind diese Lieder toll zum ausdrucksvollen Mitsingen: wahlweise die leicht verständlichen und eingängigen Texte (nagut, diesen Teil der Schlagereuphorie kann ich nachvollziehen) oder auch nur den Background, ich verbinde das gern und grazil. Diese Basslinien und ganz allgemein die Rhythmusgruppe von Bass, Schlagzeug und Klavier ist einfach hammermässig und lässt mich regelmässig abzappeln!
Natürlich NUR in Schlaghose und Hemdbluse mit Pullunder.


Manfred Krug - Wenn's Draußen Grün wird from TheSwarmOfBees on Vimeo.

Liebe Grüße,
Nastjusha

Mittwoch, 12. März 2014

Me Made Mittwoch: Bluse Burda 12/13

Heute kurz und bündig.
Dass ich nun vermehrt Röcke und Kleider trage, heißt nicht, dass ich gar keine Hosen mehr trage.
Heute also in einer Lieblings-Jeans und meiner Bluse aus der Burda 12/13, hier schonmal vorgestellt.
Ich habe die Bluse schon ein paarmal getragen und fühle mich sehr sehr wohl in ihr, schnell genäht ist sie auch noch! Die Bindebänder lasse ich meist offen oder binde sie sehr locker, mit Schleife geschlossen wirkt die Bluse etwas bieder, finde ich. 






Heute abend dann werde ich mir alle anderen Damen hier auf dem Me-Made-Mittwoch-Blog, heute angeführt von Melleni, zu Gemüte führen, die sicherlich schon viel frühlingshafter als ich daherkommen!

Liebe Grüße,
Nastjusha

Dienstag, 11. März 2014

Tuesday Tunes: Kings of Convenience

Kann es wirklich sein, dass "Riot on an empty street", das zweite Album des norwegischen Duos Kings of Convenience, schon 10 Jahre alt ist?
Das hier ist also alles andere als ein Geheimtip. Dennoch hier der Link zu der Nummer Misread mit der unbedingten Kaufempfehlung für alle, die dieses Wahnsinns-Album noch nicht zu Hause haben und auf Simon & Garfunkel stehen! Ruhige Akustikgitarren und perfekt harmonierende samtene Männerstimmen... jaja, sowas mag ich.


Liebe Grüße,
Nastjusha

Montag, 10. März 2014

FJKA-Ersatz: Erste Glasperlenerfahrung

Gestern habe ich den FJKA geschwänzt.
Dafür gab es einen simplen Grund: Wolle muss nachgeordert werden, und außerdem habe ich einen Sonntags-Ausflug zu Signora Rossi gemacht!
Nachdem ich schon seit längerem ihre selbstgemachten Glasperlen bewundere (hier gibt es tolle Fotos), reifte in mir immer mehr der Wunsch sowas auch mal auszuprobieren.
Und nachdem Katharina so nett war und mir anbot, einen kleinen Einführungskurs zu geben, planten wir also unser Treffen.

So absurd das klingt, aber ich liebe es, bei schönem Wetter Zug zu fahren. Und sonntag früh war kaum jemand im Zug, so konnte ich ganz ungestört meinen Gedanken nachhängen und die sonnige Landschaft an mir vorüberziehen lassen... das war Balsam für die Seele.

Schließlich kam ich an und stellte gleich fest, dass die Sympathie, die ich im Netz ihr und ihrem Blog gegenüber empfand, auch face to face da war... Wieder einmal dachte ich: und alles nur wegen der Bloggerei, das ist doch genial, was für Menschen man auf diese Art und Weise kennenlernt! Ich wage zu behaupten, dass wir uns sonst nie im Leben getroffen hätten.

Nach einem gepflegten Kaffee tasteten wir uns heran an ihr Refugium: kann man schon stattlich nennen, ihre Arbeitsplätze zum Handarbeiten und Perlendrehen! Bewundern konnte ich ihre letzten Patchworkarbeiten und ein Kleid, welches einfach nur formidabel sein wird, wenn´s fertig ist.
Super, wenn man sofort SO VIEL Gesprächsstoff hat!!
Während ich noch so herumstand und staunte, schaffte Katharina eine riesige Gasflasche her und begann emsig alles vorzubereiten: zwei Gasbrenner, die Abzugsanlage, ein Sauerstoffkompressor (oder so), Werkzeug, Wasserschale, Glasstäbe. Man muss dazu sagen, dass sie in der letzten Zeit eher genäht hat und keine Perlen gemacht hat: diese ganze Action nur wegen mir... kurz hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber Katharina versicherte mir glaubhaft, sie hätte sowieso mal wieder Lust darauf gehabt, und alle meine Bedenken wischte ich damit ganz leicht beiseite... :-)

Fiese Gasflasche... links dreht K. gerade die zweite auf. Jetzt ist´s auch schon wurscht.

Bevor ich hier mit Halbwissen prahle: für alle, die mal schauen wollen, wie sowas gemacht wird, habe ich ein Video rausgesucht:


So ungefähr das gleiche habe ich auch gemacht. Erstmal nur versucht, eine halbwegs runde Perle hinzukriegen, und bei einigen dann noch in anderen Farben kleine Punkte (mehr oder weniger gleichmässig) draufgesetzt.     

  


Wunderschön sind diese Murano-Glasstäbe gewesen! Man kann sich farblich richtig austoben!
Und wenn man erstmal über dieses Erste-Autofahrstunde-Stadium hinaus ist und auch mal ein bisschen lockermachen kann beim Perlendrehen, kann ich mir vorstellen, dass es eine ganz meditative Geschichte ist, so ähnlich wie malen.

Wie gesagt, ich habe mich gefühlt wie in der ersten Fahrstunde, wenn man an tausend Dinge gleichzeitig denken muss und die Dinge nicht auf die Reihe bekommt. Dazu kommt natürlich, dass die Hantiererei mit dem Feuer auch nicht ungefährlich ist.
Ein wenig mulmig war mir schon, als der Brenner losfauchte, denn ich kenne mich ja. Tollpatsch ist praktisch mein zweiter Vorname. Und prompt langte ich in der ersten halben Stunde mit dem Daumen einmal durch die Flamme, und zwar richtig: nicht irgendwo im "kalten" Teil der Flamme sondern da, wo das Gas gerade aus dem Brenner kommt und die Flamme 900 Grad heiß ist. Ein Glück nur, dass der Metalldorn, auf dem die Perle gedreht wird, nicht auch noch in Katharinas Auge gelandet ist, so wie ich ihn von mir weggeschleudert habe!
Interessanterweise machte mir Katharina gleich pures Lavendelöl drauf. Damit hatte ich ja nicht unbedingt gerechnet. Aber das scheint ein Geheimtipp gegen Brandblasen zu sein, und sie hat auch schon den Vergleich gemacht, der die heilende Wirkung des Öls bestätigt hat. Wie auch immer: ich hatte eine Monster-Brandblase auf dem Daumen, aber es tat gar nicht so weh wie ich gedacht hatte. Wer weiß, wie ich ohne Lavendelöl als erste Maßnahme ausgesehen hätte!
Nach einer kleinen Pause auf den Schock ging es also munter weiter.

Da die Perlen noch nicht ganz abgekühlt waren, konnte ich sie nicht mit nach Hause nehmen, aber Katharina hat schonmal ein paar Fotos geschickt:




Ich bin ganz stolz! Daraus mache ich mir eine Kette oder so... mal sehen.
Aber bis ich solche Schätze wie Katharina machen kann, dauert es noch eine Weile (das ist nur eine kleine Auswahl ihrer Perlen!):


Jetzt muss ich erstmal sehen, ob es hier irgendeine Werkstatt gibt, wo ich das Perlendrehen nochmal machen kann. Denn für das ganze Equipment ist hier kein Platz mehr, und mit dem Gas und so bin ich mir auch nicht sicher in einem Kinderhaushalt...

Bevor es wieder heimging, bekam ich noch drei tolle Vintage-Schnittmuster geschenkt (mehr dazu ein andermal) und ein Fläschchen echtes frz. Lavendelöl für den nächsten Notfall, und mit einem Perlenbuch für den Zug machte ich mich auf die Heimreise.

Abends im Bett dann kam mir dieser Tag doch ziemlich unwirklich vor. Soviele Eindrücke an einem einzigen Tag und dann wieder zu Hause im Bett liegen, als sei nichts gewesen, das ging mir kaum in den Kopf.

Nun wisst ihr also, wo ich gestern war, als ihr euch fröhlich mit euren hübschen Jäckchen verlinkt habt. Die schaue ich mir später auch noch in Ruhe an!

Liebe Grüße, und danke für diesen genialen Einführungskurs und Kurzurlaub, liebe Katharina,
Nastjusha

Mittwoch, 5. März 2014

Me Made Mittwoch im 70er-Jahre-Genossinnenkostüm

Hier habe ich kürzlich schon begeistert von meinem neuen Outfit zum 8.März berichtet, dort sind die Fotos auch etwas besser. Vielen Dank auch für die zahlreichen lieben Kommentare, ich habe mich sehr gefreut!!

Heute gibt es im Rahmen des Me Made Mittwoch Fotos an der Frau, und ich habe mich in Schale geschmissen.
Einmal gibt es den gelobten Faltenrock aus der Burda 02/14 plus Weste aus der Burda 10/74 und Schluppenbluse aus der Burda 08/09 (hier schonmal vorgestellt). Meine herzallerliebste Freundin meinte, ich würde in der Kombi aussehen wie eine Mitarbeiterin des Politbüros in den 70ern... naja, ganz von der Hand zu weisen ist das ja nicht.




Und am Sonntag abend war ich so aus, mit meiner Patrones-Hemdbluse. Leider habe ich hier beim Anziehen schlampig gearbeitet und die ganze Symmetrie zerstört, weil der Rock etwas gedreht ist... Ei ei ei.


Ich bin also so was von Anti-Jersey unterwegs, mehr geht´s fast nicht. Weil Julia, die den Me-Made-Mittwoch heute anführt, fragt. Und genau dort gehe ich später schauen, was die anderen so tragen.

Einen produktiven Tag wünscht
Nastjusha


Montag, 3. März 2014

Kombination zum Internationalen Frauentag

Andernorts werden schon Frühlingskleider genäht, und ich vernähe immernoch Herbst- und Winterstoffe. Es ist aber auch ungleich befriedigender einen Batzen Wollstoff aus der Kommode zu holen und dementsprechend Platz zu schaffen als einen dünnen Blusenstoff...
Ich bin also gerade recht erfolgreich darin, mich nur aus meinem Stofflager hier zu bedienen. Gern suche ich mir auch Anlässe, für die ich ein Outfit benötige - und wenn ich beides verbinden kann, also Anlassnähen aus dem Stofffundus, ist das in meinen Augen optimal.

Am Samstag ist Internationaler Frauentag, und ich werde zu einem Frauenlunch gehen.
Für mich hat der 8.März schon immer eine viel größere Bedeutung gehabt als der Muttertag. In meiner Kindheit gab´s keinen Muttertag, und wir haben für den Frauentag im Kindergarten und in der Schule für die Mütter gebastelt, aber es wurden auch Frauen gefeiert, die keine Kinder haben, und das gefällt mir viel besser. Für alle gab´s Blumen und Sekt, und so ist das in Russland noch heute. Dort kommt der 8. März für die Frauen gleich nach dem Geburtstag, und die Frauen feiern sich exessiv!
Schade, dass dieser Tag heutzutage irgendwie untergeht (zumindest hier in Bayern ist dieser Feiertag praktisch nicht existent), ich habe manchmal den Eindruck, er wird nur noch von Gewerkschaftlern und roten Parteien gefeiert...

Aber zum eigentlichen Thema: letzte Woche war mein Kleiner krank und zuhause,und ich konnte nicht arbeiten, aber dafür viel nähen. Wiebke und Heike haben ihn schon vorgeführt, den tollen Faltenrock aus der Februar-Burda (Modell 105). Allein wegen dieses Modells hatte ich mir die Zeitschrift gekauft, aber es sind insgesamt überdurchschnittlich viele Schnitte drin, die mir gefallen.
Internationaler Frauentag und Faltenrock - das passt für mich wie die Faust auf´s Auge.
In meinem Fundus hatte ich einen ganz tollen 100%igen Wollstoff vom Anfang meiner Nähkarriere. Er ist in einem wunderschönen Braun gehalten, welches einen minimalen Grau-Touch hat, und ich brauche unbedingt einen braunen Rock, auch wenn das eher herbstlich ist. Wie gesagt, ich hänge noch voll in der kalten Jahreszeit und bin noch nicht auf Frühlingsklamotten eingestellt.
Eigentlich möchte ich nur noch solche Stoffe vernähen, das war so angenehm! Außerdem fällt der Rock mit diesem Stoff wirklich toll. Bin sowas von begeistert von dem Schnitt! Die Hüftpasse schmeichelt der Figur, und durch die tiefen Kellerfalten ist der Rock schön ausgestellt und schwingt herrlich. Ich brauche unbedingt noch ein frühlingstaugliches Modell aus dem Schnitt.

Einen Fetzen des Wollstoffs hatte ich noch übrig, und da ich derzeit von meinen alten Burdas nicht wegkomme und mir an die 100 Einmerker in den schillerndsten Farben eingeklebt habe, fand ich gleich noch den perfekten Partner zum Rock in der Burda 10/1974. Ich liebe ja Pullunder zu Hemden, und habe nun das Gefühl, diese Liebe könnte eins zu eins auf Westen umspringen.
Hier bei Ilsebyl gab´s im letzten Jahr schon eine schöne Weste, aber die Burdas der 70er sind praktisch voll davon. Kein Rock, keine Hemdbluse ohne Weste, es gibt auch viele Dreiteiler (Kostüm plus Weste). Auf diesen Look stehe ich total, und ich finde, das sieht auch kein Stück bieder aus.
Oder was sagt ihr?

Burda 10/74

Wie bei den alten Burdas üblich, habe ich das Oberteil vorn und hinten um 2cm verlängert und bin ansonsten mit der alten Gr.42, die ungefähr einer heutigen 40 entspricht, sehr gut gefahren. Die Weste sitzt wie angegossen. Super Schnittführung mit den Abnähern (vorn, hinten, Schulter), Taillierung, Ausschnitt, und die Taillenriegel finde ich sensationell.


Dies war meine erste Weste, und ich habe auch nicht den tollen Westen-Fütterungs-Trick angewendet, wo man zum Schluss alles durch die Schulternähte wurschtelt, denn ich hatte hier relativ am Anfang die Schulternähte geschlossen und auch die Armlochbelege zum Ring genäht.
Hab die Weste ganz klassisch gefüttert und den Saum im Rückenteil von Hand eingenäht. Einzige fiese Stelle waren die Zipfel. Erstens sind die auch mit Beleg versehen und das Rückenteil unten nicht, und überhaupt waren da ganz schön viele spitze Ecken, und die beim Füttern sauber hinzukriegen... da muss ich nochmal üben. Ist aber ganz ok so.


Und hier nochmal mit Rock. Der ist ein wenig ungebügelt, denn das Ensemble habe ich gestern abend zusammen mit einer Hemdbluse schon getragen und mich pudelwohl gefühlt darin. Sehr figurschmeichelnd, so eine Weste. Wer braucht da noch Bodyformer!


Was mir an der Kombi besonders gefällt, sind die Symmetrien und Linien. Die Hüftpasse des Rocks scheint wie geschaffen für die Westenzipfel, und wie die Knopfleiste in die Kellerfalte übergeht... ein Traum.


Hier nochmal der Rock am Bund. 


 Abschließend mein Rat: näht euch diesen Rock!!! Er sieht phantastisch aus und macht dermaßen was her in Zeiten von Slimhosen und 80s-Revivals (Habe ich das nicht schon wieder irgendwo gesehen? Schrecklich...). Tragefotos dann in zwei Tagen.

Liebe Grüße,
Nastjusha