Sonntag, 10. August 2014

Konfuse Reisevorbereitungen: welche Ferienhandarbeit?

Ach, Ferienhandarbeit klingt herrlich altmodisch, etwa wie die Rubrik "Die Fernsehhandarbeit" in den Burdas der 70er.
Am Mittwoch geht es für gute 2 Wochen auf Rundreise mit den Kindern (der Gatte ist auf Konzerttour in Brasilien, wie aaanstrengend...;-); Frankfurt am Main, Berlin und die Ostsee sind Hauptstationen.
Nun bin ich völlig überfordert mit der Wahl der mitzunehmenden Handarbeit (während andere gerade aus dem Urlaub wiedergekommen sind und Nähpläne für daheim schmieden, typisch Bayern-Sommerferien).
Stricken wird nicht in Frage kommen, da meine Kreisstrickjacke schon fast fertig ist und der Kragen hohe Konzentration erfordert. Ein neues Projekt wäre eine Jaquard-Strickjacke. Auch das zu kompliziert.

Mit der letzten Stoffspielerei unter Anleitung von frifris bin ich seit Ewigkeiten wieder in Kontakt mit der Stickerei gekommen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich immernoch ein bisschen ein Problem mit dem furchtbar altbackenen Erscheinungsbild, was ich beim Sticken abgebe (also, richtig cool ist das nicht, oder?), aber ich bin dabei dieses Ressentiment zu überwinden. Denn das Sticken an sich mit seiner entspannenden Wirkung und die Ergebnisse liebe ich!

In den 70ern und 80ern hatte die Burda mehrmals jährlich Extra-Handarbeits-Ausgaben ("Großes buntes Handarbeitsheft"). Davon habe ich ein paar Exemplare, allesamt mit vielen Einmerkern drin, z.B. hier in der Ausgabe 7/74:





Negativbeispiel: die Vorstellung so ein Monstrum zu häkeln finde ich schon ein bisschen gruselig!

Ich wollte mit Material arbeiten, was ich schon zuhause habe und entschied mich für dieses Folkloremuster aus der Ausgabe 32/80.
Diese Zählstickerei habe ich sehr sehr lange nicht gemacht und auch keinen Zählstoff zuhause.
Deshalb wählte ich einen Rest des Mustermix-Blazer-Stoffs. Die Qualität ist eigentlich nicht besonders gut, aber er ist kariert und erleichtert mir das Zählen enorm!
Aus meinem Riesenhaufen Oma-Sticktwist kam mir rot gerade recht, denn davon habe ich eine ganze Menge.


Das ganze ist ein Experiment. Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob das Ergebnis cool oder seltsam sein wird. Denn mit kariertem Stoff könnte das eigenartig aussehen.
Ich habe mich entschieden, das Muster nur einmal zu sticken (und ohne das einzelne Musterfeld außerhalb der Blume), also nicht viermal für das Kissen. Das würde ein Riesenkissen werden, da die Karos etwas größer sind als die Quadrate des Original-Zählstoffs. (Außerdem werde ich nicht so wahnsinnig viel Zeit für´s Sticken haben.) So schaue ich, was es wird und ob das Verzogene sich am Ende gibt.
Schlimmstenfalls mache ich eine Einkaufstasche daraus, bestenfalls ziehe ich es auf einen Rahmen und hänge es auf (ein dunkelbrauner Schattenfugenrahmen würde dem Kreuzstich evtl. zu etwas Modernität verhelfen). Wir werden sehen.


Das Projekt finde ich jetzt jedenfalls sehr urlaubstauglich: es nimmt wenig Platz ein, kann schnell gezückt werden und geht auch zwischendurch ohne große Vorbereitung für ein paar Stiche.
Leider muss ich selbst Auto fahren, sodass diese Arbeitszeit schonmal wegfällt. Oh, was hätte ich in knapp 2000km als Beifahrerin alles stricken können! Nun ja, diesmal alles etwas anders.

Von 1-2-3-nadelei jedenfalls habe ich den tollen Trick, dass der Faden vor dem Sticken über eine Kerze gezogen wird - damit hört das nervige Knotenbilden auf. So simpel und was für eine Erleichterung!
Am Anfang stickte ich mit Stickrahmen, aber das geht doch ziemlich auf die Hand- und Fingergelenke, wenn man in einem Zug ein- und wieder ausstechen will. Gerade funktioniert es ohne Stickrahmen ganz gut (verzogen hat es sich mit Rahmen genauso - evtl. muss ich noch an der Fadenspannung arbeiten - oder hilft es, ein Vlies unterzulegen?).

Bis Ende August dann, euch schöne Sommerferien, Restferien oder guten Einstieg in den Alltag, sucht´s euch aus. :-)

Liebe Grüße,
Nastjusha

Kommentare:

  1. Interessante Handarbeiten hast Du in Deinen Heften gekennzeichnet. Ich finde mit anderen Materialien und Farben in einem modernen (hellen) Umfeld wirken alte Sachen sowieso anders. Letztens hab' ich ein Fund-Kreuzstickkissen rot+blau auf weiß zwischen moderne gemischt.
    Die Gleichmäßigkeit der Stiche und Spannung ist glaube ich reine Übungssache. Weicher Stickgrund braucht sicher einen Spannrahmen.
    Ich wünsche einen schönen Urlaub mit der passenden Handarbeit für unterwegs. Unschlagbar für solche Anlässe sind Grannys.
    LG Ute

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du hast recht, das Umfeld macht sehr viel aus. Ich bin nun schon ein bisschen weiter, und mit jeder Reihe kann ich es mir besser vorstellen. Wirklich spannend ist das!
      Habe nun ein Vlies untergebügelt und sticke doch mit Rahmen, geht jetzt irgendwie besser.
      Grannys sind eine super Idee, ich hätte auch ein Langzeit-Decken-Projekt, an dem ich arbeite. Siehst du, das habe ich ganz vergessen... :-)
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

      Löschen
  2. wenn du das altbaken findest, gibts andere möglichkeiten, womit du deine strickgelüste stillen kannst. z.b. mit perlennachstickerei muster auf der kleidung. verstehst du wie ich es meine? ein paisley kann man z.b. wunderbar mit paar perlen und swarowski zu einem glanzstück machen. oder wenn ein tshirt von dir irgendeine schrift oder muster enthält.
    ganz gut für die inspiratiuon sind auch haute couturte bilder aus dem magazin collezzioni.man kann es für wenig geld am bahnhof kaufen. hier z.b. kannst du einbisschen reinblättern:
    http://www.logos.info/sriviste/CL/163/#magazines/31/1

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach ja, solche Bilder könnte ich ja stundenlang anschauen. Kleidung mit Perlen zu verzieren, muss ich unbedingt machen, das steht schon so lange auf meiner Wunschliste. Aber gerade platzt mir der Kopf vor Projektideen und Dingen, die ich gern ausprobieren und lernen möchte - ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Das hatte ich in dem Maße lange nicht so.
      Liebe Grüße!

      Löschen
    2. dann ninmm dir ein shirt oder eine strickjacke vor;-)

      Löschen
    3. schau mal, hab direkt einen Beispiel für dich. minimaler aufwand, perlen, grosse Wirkung:
      http://www.ebay.de/itm/Chanel-Sweater-black-w-red-sequins-beads-design-Sz-6-cashmere-silk-Blend-/370913990695

      Löschen
    4. Habe da schon einen dünnen Strickpullover mit Muster im Auge! Und überhaupt habe ich das Thema dank dir jetzt immer auf dem Schirm... :-) (Verrückt, 600,- Euro für ein Shirt... also ich weiß ja nicht... dann doch lieber selbst besticken und ordentlich Schuhe kaufen. ;-)
      Liebe Grüße!

      Löschen
  3. Was kümmert dich das, ob es cool oder altbacken wirkt, wenn es dir Spaß macht. Und ob es dir am Ende gefällt, wirst du sehen. Selbst wenn nicht (was ich nicht glaube). Na und. Experimente haben das an sich, dass sie manchmal auch nicht gelingen. Das muss man einfach in Kauf nehmen!
    Liebe Grüße und bis bald
    Yvonne

    AntwortenLöschen

Danke für´s Kommentieren!