Samstag, 3. Mai 2014

Mal was anderes: Über´s Bloggen und Frage nach dem Lieblingsbuch

Fast zwei Wochen lang kein Post... für meine Verhältnisse ist das echt lang.
Das zeigt mir, dass ich aus der Anfänger-Euphorie langsam rauswachse und die Prioritäten sich wieder etwas verschieben, d.h. Arbeit, Familie und andere Dinge des "wahren" Lebens wieder mehr Platz bekommen, und so gehört es sich ja auch.

Ich finde, jeder sollte die Bloggerei so handhaben, wie es ihm in den Kram passt und sich nicht unter Druck setzen lassen. Es gibt noch so viele Dinge außerhalb eines Nähbloggs, so viele Baustellen, die bearbeitet werden müssen, so viele Menschen, um die man sich kümmern muss/möchte, so viele Freundschaften, die man pflegen möchte, eventuell andere Hobbies und Interessen, denen man nachgehen möchte, und wenn man ganz ganz fleißig ist, macht man noch ein bisschen Sport, damit man mit der ganzen Näherei nicht total aus der Form kommt. (Das war eher eine Ansage an mich selbst... hust). Von der Arbeit mal ganz abgesehen.
Der Tag müsste wirklich doppelt so lang sein, damit man alles in dem Maße und der Vielfalt auf die Reihe bekommt, wie man gern würde. Insofern gilt es: Prioritäten setzen, Stimmungen ausloten, locker machen. Und wenn halt gerade eine Phase im Leben herrscht, in der Nähen und Bloggen rein gar nicht reinpassen.... so what? Dann macht man eben nach einer Pause weiter.
Ich glaube jedenfalls nach meinem kurzen Einblick, dass hier jeder in der Bloggerszene seinen Platz hat und den auch nicht verliert, wenn man eine Zeit lang nichts von sich hören lässt. (Ich rede hier von gegenseitigem Interesse und nicht von Klicks-Sammeln.)

In diesem Sinne: schön, dass ihr alle da seid, und wenn ich phasenweise nicht poste oder kommentiere, liegt es einfach daran, dass ich aus diversen Gründen mich bei Blogger gar nicht einlogge und auch keine Blogs lese (so wie in den letzten 2 Wochen). Trotzdem habe ich viele von euch auf dem Schirm und freue mich jedesmal wieder, wenn wieder mehr Zeit zum Bloggen und Bloglesen ist. Und über eure liebe Kommentare freue ich mich sowieso jedesmal wie ein Schnitzel!
Genauso hege ich anhaltendes Interesse an euren Blogs, auch wenn ihr mal 4 Wochen oder 2 Monate oder sonstwie lange nichts postet. So ist das, ich bin einfach eine treue Seele.

Nun aber mal zur Sache hier, und die hat nichts mit Nähen zu tun.
Ich bin in einer verzwickten Lage, und das kam so.
Mein Buchhändler hier in der Stadt (ein preisgekrönter und ausgezeichneter Buchhändler, kulturell und politisch sehr engagiert, mit den besten und personenbezogensten Empfehlungen) schrieb mir gestern einen Brief.
Es werden in diesem Jahr in 20 verschiedenen deutschen Städten Kanons erscheinen: d.h. jeder Kanon einer Stadt enthält Buchempfehlungen von 100 Personen aus der Stadt, in denen diese ihr Lieblingsbuch rezensieren. Dieser Kanon wird dann in Leinen gebunden und verkauft.
Dabei geht es um Bücher, auf die wir immer wieder zurückkommen: gedanklich, in Gesprächen, als Geschenk. Manche Lieblingsbücher fallen weg, weil sie sich irgendwie erledigt haben, wir "aus ihnen rausgewachsen sind". Andere erledigen sich, weil wir Neues, Interessanteres, Erhellenderes gelesen haben. Und dennoch gibt es Bücher, die bleiben einem - wie eine Erfahrung, eine Narbe, eine Erinnerung.
Schöne Vorstellung irgendwie.
Aber ich habe so viele Narben, wenn ich danach gehe!
Bis Ende Mai muss ich 1500-2000 Zeichen lang über mein Lieblingsbuch schreiben.
Aber welches ist mein Lieblingsbuch???

Bin heute mal in mich gegangen, habe mein Bücherregal gescannt und nachgedacht.
Auch wenn ich sicher 20 Bücher vergessen habe, die mich sehr beeindruckt haben, so habe ich jetzt mal eine kurze Liste erstellt, und eins von diesen Büchern wird´s werden, wenn mich nicht zwischenzeitlich der Blitz der Erkenntnis trifft und mir noch ein ganz anderes einfällt.

Ketil Björnstad: Vindings Spiel
Richard Powers: Der Klang der Zeit
Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens
Javier Marias: Mein Herz so weiß
Anya Ulinich: Petropolis
Heinrich Steinfest: Cheng
Lion Feuchtwanger: Goya

Die ganzen Stephen Frys sind wohl so "alte" Lieblingsbücher, aus denen ich "rausgewachsen" bin. Paul Auster müsste ich eigentlich auch noch überlegen.... hm.

(Ich fürchte, "Der Klang der Zeit" fällt mit 750 Seiten schonmal weg, denn ich müsste das Buch nochmal lesen. Aber das ist eins meiner Top 3 Bücher. Für jeden, der sich für Zeitgeschichte (in dem Fall der jüngere Geschichte der USA) und klassische Musik interessiert, perfekt.)

Was wäre denn euer einziges Lieblingsbuch, welches ihr rezensieren würdet? Tut ihr euch auch so schwer wie ich mit der Entscheidung?

Liebe Grüße,
Nastjusha

Kommentare:

  1. Liebe Nastjusha,

    ich bin eine treue Leserin und wundere mich nicht , wenn es Pausen gibt :-)

    Ich lese manchmal täglich Blogs oder nur einmal in Woche, je nachdem was im Alltagsleben abgefordert wird.......also locker bleiben !!!!

    Aus Deiner Liste ist mein Lieblingsbuch eindeutig Heinrich Steinfest "Cheng" das Buch für die Rezensierung .

    Ja und meine Bücherhitliste verändert sich auch , leider kommen immer wieder neue dazu .

    Zur Zeit bin ich ganz versunken in "Wir sind doch Schwestern" von Anne Gesthuysen
    das wandert auf meine Liste ganz nach oben !

    Ich hoffe wir lesen dann auch hier Deine Buchbesprechung.

    Schönen Sonntag


    Bettina

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    1. Danke, liebe Bettina, das freut mich sehr! Derzeit schwanke ich tatsächlich zwischen Björnstad und Steinfest. Und ja, die Buchbesprechung gibt´s hier dann auch zu lesen.
      Nach Anne Gesthuysen muss ich gleich mal schauen.
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  2. Hm, das ist in der Tat schwierig.
    Und ich merke, dass ich mich hinsichtlich Büchern gar nicht so gerne oute.
    Allerdings gerne schaue, was Andere so lesen.

    Bücher sind wie einzelne Facetten, die ein Ganzes bilden.
    Sich da auf eines festzulegen finde ich sehr schwer.
    Die Bücher von Ian McEvan habe ich sehr gerne gelesen.
    Und "Eat, Pray, Love" ist auch eines meiner Lieblinge. Es hat Höhen und Tiefen und dabei ist es doch immer optimistisch und schön.
    viele Grüsse!

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    1. Liebe Birgit, von Ian McEvan habe ich "Honig" gelesen und fand es sehr schön. Allerdings hat es mich nicht endgültig vom Hocker gerissen. Warum, weiß ich auch nicht, weil das Thema eigentlich toll ist, die Figuren interessant, der Plot auch, die Zeit, die Sprache... hm. Keine Ahnung. Und du hast recht, wenn du sagst, dass Bücher einzelne Facetten sind, jedes entspricht einem anderen Teil von einem selbst.
      Aber irgendeine Entscheidung muss her!
      Liebe Grüße!

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  3. die frage nach dem EINEN buch könnte ich auch niemals beantworten.. die nach einem, dassnarben hinterlassen hat, schon einfacher. ein schönes bild übrigens. spontan fällt mir dazu die "Sturmflut" von Margriet de Moor ein. wer schon immer mal gerne wissen wollte, wie ertrinken geht, sollte das lesen. und als gegenstück, zu einem narbigen buch, schlage ich noch ein buch "mit goldrand" vor : "Brautflug" von Marieke van der Pol.
    und das beide schriftstellerinnen aus den niederlanden kommen, ist reiner zufall...
    gerade lese ich "Transatlantik" von Colum McCann, auch toll !!!

    so, schluss, sonst schreibe ich in drei wochen noch...
    lg,
    susa

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    1. Schön... :-) Danke für deinen Beitrag, Susa! Die beiden Holländerinnen habe ich bis jetzt noch nicht gekannt, muss ich gleich mal suchen gehen. Und jetzt, wo du es sagst: "Der Tänzer" von Colum McCann sollte auch auf meine Liste! "Transatlantik" klingt daher nach einem Buch, was ich unbedingt lesen sollte.
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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    2. den tänzer mochte ich nicht so... aber transatlantik ist ein kracher !

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  4. ach ja, und was ich eigentlich schrieben wollte...ähem. bei deiner list vote ich für den "Klang der Zeit"

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    1. :-) Das sagt mir mein Bauch auch, und es war das erste, was mir in den Sinn kam...
      Wenn es nur nicht so dick wäre. Ich würde schon wieder einen MOnat nicht zum Nähen kommen! Grübel...

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  5. Liebe Nastjusha, ich kann sehr gut verstehen, dass das "real life" berechtigterweise das Bloggen manchmal hinten anstehen lässt. Das geht mir auch manchmal so - nur bin ich im Moment täglich am Computer zum Lernen/Schreiben und lese oder blogge dann auch gerne um ab und zu wieder wach zu werden :) Und sobald man sich durchs Bloggen unter Druck setzen lässt, macht es nicht mehr viel Spass und wird zu einem "Müssen".

    Die Idee mit den Büchern ist toll - ich muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich keines deiner Bücher kenne (aber ich habe in den letzten 6 Studienjahren so viel lesen müssen, dass ich kaum mehr lese...)

    Ein einziges Lieblingsbuch habe ich auch nicht, das ist wirklich schwierig. Sehr gerne mag ich das Orangenmädchen von Jostein Gaarder, Narziss und Goldmund von Hesse aber auch sehr gerne Everything is illuminated und Extremely Loud and Incredibly Close von Jonathan Safran Foer. Der Film zu Everything is illuminated ist dann mein ganz klar gekürter Lieblingsfilm, den ich unbedingt empfehle! Humorvoll und zum Weinen schön, skurril, mit wunderschönster Musik und Bildern. Liebe Grüsse, Lottie (p.s. - ist das Päckchen eigentlihc angekommen?)

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    1. Liebe Lottie... deine Post ist angekommen! :-) Seit Tagen will ich dir schreiben, kommt gleich per Mail. Und "Everything is illuminated" ist in der Tat ein grandioser Film, der Soundtrack habe ich früher sehr häufig gehört. Passt zu dir! :-)
      Narziss fand ich auch zum Weinen schön, und es ist eins der Lieblingsbücher des Gatten.
      Liebe Grüße,
      N

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    2. Doch bitte kein Stress!! Musst dich nicht bedanken, hatte nur Bedenken weil das Päckchen gerade so noch durchkam mit der Grösse, ob es auch wirklich ankommt :)

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  6. Ich gehöre ja auch zu den sehr unregelmässig bloggenden Menschen , manchmal sind andere Dinge wichtiger .
    Mit Deiner Bücherliste hast Du bei mir etwas zum Klingen gebracht - Du ahnst es warscheinlich schon : Klang der Zeit ist ein grossartiges Buch !! Es war mir in Vergessenheit geraten , aber ich weiss , ich habe es geradezu verschlungen .
    Die Idee mit dem Städtekanon finde ich toll . Wirst Du uns mehr darüber berichten , wenn Zeit und Muße ist ?
    liebe Grüsse Dodo

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    1. Liebe Dodo, ja, das Buch entspricht mir sehr! Und schön, dass es dir auch so gut gefallen hat! Ich werde berichten, wie ich mich entschieden habe und dann auch den Text hier posten.
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  7. Ich freue mich immer von dir zu lesen, unabhängig von der Frequenz in der du bloggst. Deine Tuesday Tunes lese ich übrigens mit großer Begeisterung, auch wenn ich da noch nie kommentiert habe.
    Die Kanon-Aktion ist ja klasse, nur sich für ein Buch zu entscheiden ist wirklich hart.
    Was hat bei mir Narben hinterlassen?
    Spontan fällt mir Keri Hulme, Unter dem Tagmond ein und eigentlich fast alle Bücher von Jurek Becker. Natürlich auch Monika Maron, ganz besonders "Stille Zeile Sechs".
    Ich höre jetzt mal auf,sonst fallen mir noch mehr Narben-Bücher ein.
    Gut, dass ich mich nicht entscheiden muss.
    Bei deiner Auswahl schlägt mein Herz auch für den Powers.
    LG,
    Claudia

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    1. Danke liebe Claudia. Ich muss zugeben, Jurek Becker kenne ich nur vom Namen her, von allen anderen noch nie was gehört... :-/ Ich gehe gleich mal recherchieren.
      Ich glaube auch, es wird der Powers.
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  8. Ja, mit den Pausen sind wir uns wohl einig... und genau, es geht ja um gegenseitiges Interesse!

    Puh, das mit dem Bücherkanon ist ja wirklich schwierig. Und erstaunlicherweise kenne ich die Bücher auf deiner Liste alle nicht, außer "Mein Herz so weiß". Finde ich auch gut, dann hab ich wieder ein paar Wunschbücher auf der Liste (die fast, aber nicht ganz so lang ist wie die to-sew-Liste!)!
    "Anna Karenina" hab ich erst vor ein paar Jahren gelesen und finde es toll. Dann mochte ich zumindest früher die Bücher von Toni Morrison sehr gern und ganz aus dem Bauch heraus kam dann auch noch "Unter dem Tagmond" in meinen Sinn, die sind aber alle wirklich lange her. Allerdings muss eine gewisse Zeit verstrichen sein, sonst wüsste man ja auch wieder nicht, wie lange einen die Bücher wirklich nicht loslassen. "Die Stadt der Blinden" hat mich auch sehr beeindruckt. Tatsächlich haben mir auch einige Schullektüren damals gefallen, "Effi Briest" z.B. und auch die Dramen von Dürrenmatt. Ach je, wenn man da anfängt! Peter Weiss, "Die Ermittlung" ist auch schon Jahrzehnte her...
    Weil ihn Bunte Kleider genannt hat - "Jakob der Lügner" von Jurek Becker hat mir auch gefallen (offensichtlich lese ich ähnliche Bücher, Keri Hulme war ja auch bei ihr schon...).
    Puh, da bin ich ja echt mal gespannt!
    Und was für eine Ehre, dass du gebeten wurdest daran teilzunehmen, ist eine tolle Sache (zumindest siehst du es dann bestimmt auch irgendwann so, wenn du den Text fertig geschrieben und abgegeben hast... )

    Liebe Grüße!

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    1. Ach, vergessen: Marlen Haushofer, Die Wand. Und wenn man schon bei derlei ist: "Das Orakel vom Berge" (Philip K. Dick) hat mir auch sehr gefallen.
      Oh Gott, ich muss schnell hier weg, sonst fallen mir noch ganz viele ein! Hilfe!

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    2. Oh toll, danke für diesen Einblick! Anna Karenina steht hier noch und harrt geduldig meiner. Ebenso die Stadt der Blinden ("Das Zentrum" von ihm fand ich auch toll, wenn auch ziemlich hart). Ja, und Dürrenmatt, stimmt. Aber Jurek Becker und Kari Hulme muss ich wirklich schauen gehen, wenn schon zwei, deren Blogs mich sehr interessieren, davon reden!
      Und ich fühle mich in der Tat sehr geehrt!
      Liebe Grüße!

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    3. Ach ja, und die Wand habe ich auch noch da, war jetzt nur ca. 1 Jahr gar nicht in der Stimmung für so ein Buch (man hat ja von vielen davon gehört). Seine Zeit wird kommen.

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Danke für´s Kommentieren!