Dienstag, 18. Februar 2014

Tuesday Tunes: Camille vs. Mr. Bean

Vorgestern abend fand mein Weihnachtsgeschenk statt, nämlich ein Konzert von Bill Callahan im Münchener Freiheiz (hier vorgestellt). Das Konzert war ausverkauft, man stand und wartet geduldig auf die Vortragenden. Was dann geschah, war folgendes: grandiose Musiker und ein Sänger mit einer berührenden Stimme spielten wunderschöne Musik, die aber haargenau dem entsprach, was auf der CD zu hören ist. Es fehlte am Esprit, an Charme, an neuen Eindrücken und man sah - nichts. Das war dem ungünstigen Bühnenbau geschuldet: die Bühne war viel zu niedrig, und der Saalboden stieg nach hinten nicht an. Die ganze Zeit ertappte ich mich dabei, wie ich dastand, mich hin und wieder auf die Zehenspitzen bemühte und mir dachte: eigentlich wäre es zuhause mit CD dasselbe, nur bequemer. Immerhin sah ich soviel, dass ich mitbekam, wie auf der Bühne außer Musik nichts geschah. Ich bin niemand, der eine fette Show braucht, ganz und gar nicht, aber das war doch ein wenig mau.

Auf der immerhin 1,5h langen Autofahrt nach Hause überlegte ich, was man so von einem Konzert erwarten könnte, was den Unterschied macht zur CD - und ob die Zukunft der Musikindustrie wirklich in Live-Auftritten liegt. Das glaube ich immernoch, denn ich habe schon fabelhafte Konzerte erlebt, von denen ich noch heute zehre.

Eins der beeindruckendsten Konzerte, die ich je besuchen durfte, war das von Camille, schätzungsweise 2009. Nachdem ich über meinen Lieblingsradiosender erfahren durfte, dass die französische Sängerin, die auch mal Teil der Band Nouvelle Vague war, ein neues Album herausgebracht hat und demnächst auf Tour ist, beantwortete ich sogleich online eine Frage und gewann zwei Karten! Bis dahin hatte ich ihr Album "Le Fil" rauf- und runtergehört. Abgesehen von den schönen Songs, zeichnet es sich durch sparsame Instrumentierung, große Stimmakrobatik und eine Art gesungenen Grundton, der sich durch das gesamte Album zieht, aus. Ich kann dieses Album mit nichts anderem vergleichen und höre es nach wie vor sehr sehr gern.
Nun also "Music Hole".  Zur Vorbereitung und aus Vorfreude auf das Konzert besorgte ich mir gleich die neue CD und stellte fest: hier gab´s nur ein Klavier und Menschen, und all das hörte sich an wie eine große Band, nur mit Stimme, Beatboxing und Bodypercussion!

In der Muffathalle wartete ich dann gespannt die Vorband von Sophie Hunger ab (mittlerweile ist sie ja seeehr gut im Geschäft), und dann kam Camille. Ganz ehrlich: mir blieb von Anfang an die Luft weg. Camille trat auf mit einer Pianistin, zwei Sängerinnen, drei Bodypercussionisten und zwei Beatboxern. Basta. Ach ja, ein Hund war auch dabei (Minute 56).
Unfassbar, was diese Menschen für einen Sound fabriziert haben! Dazu kam eine gute Show (eigentlich "nur" aus Licht, kurzem Klamottenwechsel der Sängerin und viel Aktion/Kommunikation der Leute auf der Bühne - auch mit dem Publikum - bestehend, alles sehr angemessen, natürlich und  stimmig) und wahnsinnig gute Stimmung im Publikum.
Es machte mir auch nichts aus, dass ich des Französischen nicht wirklich mächtig bin und nur wenig verstanden habe. Nagut, es gibt - besonders auf den Stücken von "Le Fil" schon einige Passagen, die ich verstehe. Die habe ich dann auch besonders laut mitgesungen und mich dann immer ein bisschen wie Mr. Bean gefühlt, wie er "Hallelujah" in der Kirche singt...
Alles in einem war das Konzert geprägt von Leidenschaft und vollem Einsatz der Auftretenden, also extrem beeindruckend, und ich bin nach Hause geschwebt.

So - auf diesen langen Text folgt ein noch längeres Video, nämlich ein Mitschnitt des gesamten Konzerts von Camille! Dieses hier war ein Pariser Heimspiel, die Stimmung im Publikum ist also bombastisch. Einen guten Eindruck bekommt man in den ersten 14 Minuten, und wer noch ein hammermässiges Beatbox Battle sehen will, sollte sich unbedingt die Minuten 46-50 geben. Hier treten die Meister Ezra und Sly Johnson gegeneinander an - ich kann ich erinnern, dass ich im Konzert damals durchgehend ungläubig und beinahe hysterisch gelacht habe... :-)
(Und es sei euch natürlich ihr Album "Le Fil" an´s Herz gelegt, ich finde es noch eine Spur besser als "Music Hole".)
On y va!


Für unsere Mr. Bean-Fans und für die, die vorher nicht wussten, wovon ich rede, der Vollständigkeit halber hier auch noch der Klassiker aus der Kirche. Viel Spaß!



Liebe Grüße,
Nastjusha

Kommentare:

  1. Oh mein Gott! Das kann man nur mit der Stimme und mit sich machen? Wusste ich nicht :-)
    Ich hör mir noch mal schnell Minute 45ff. an (zum vierten mal).

    Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße,
    Stefanie

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  2. Wahnsinn, oder? Das geht wohl nur mit Permanentatmung, schätze ich. In München haben sie damals mit "Home ist where it hurts" angefangen (Min 11-14): ich stand nur noch da und habe nach Luft geschnappt.
    Liebe Grüße!

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  3. Wahre Kunst, beeindruckend!!!
    LG Yvonne

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  4. Wahnsinn. Sehr beeindruckend.
    lg monika

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