Mittwoch, 9. Oktober 2013

Me Made Mittwoch: Ernüchterung und Alternative


Ich hatte ja gesagt, heute würde es mal zur Abwechslung ein Kleid geben.



Im Kopf hatte ich eigentlich mein UFO nach einem Schnitt von 1974, welches ich hier lauthals angekündigt habe. Nun ist etwas ganz Dummes passiert. Ich passe in das Kleid nicht rein, no way.
Wobei ich mich frage, was ich da überhaupt zugeschnitten und genäht habe. Denn letztes Jahr um die Zeit, als ich es angefangen habe, hatte ich bestimmt 2kg mehr drauf.
Das Kleid war mein erster Versuch nach einer alten Burda, und ich habe die Maßtabelle komplett außer Acht gelassen bzw. die Unterschiede in den Größen damals und heute total unterschätzt. Zugeschnitten und genäht ist das schöne Kleid (zu welchem ich mir sogar schon einen passenden orange-farbenen Rolli gekauft habe!!! Das nenne ich mal Feuereifer!) nämlich in einer Gr.38, die - wenn ich einen guten Tag habe - meine jetzige Größe ist. Nach der damaligen Maßtabelle hätte ich aber eine Gr. 42 zuschneiden müssen. Ich brauche mich also nicht zu wundern, dass es aus allen Nähten platzt. Das meine ich natürlich wörtlich.
Ok, ich hänge es also wieder an die Tür und lasse die schöne Borte so mein Zimmer schmücken. Vielleicht passiert noch ein Wunder und ich kann Schokolade irgendwann nicht mehr sehen, sodass ich  aufgrund dessen plötzlich ganz geschmeidig in das Kleid gleiten werde. Wir werden sehen.

Aber da ich nicht schon wieder mit einer Bluse oder einem Hemdblusenkleid aufwarten möchte, kommt hier mein.... tadaaa... Weihnachtskleid vom letzten Jahr! Wir sind heute abend eingeladen und ich kann es also (zugegeben, mit einmal Umziehen) im Tagesoutfit tatsächlich unterbringen.

Der Schnitt stammt aus der Burda vom November 1966, was ja eigentlich nicht ganz mein Mode-Jahrzehnt ist, und das ist ein richtiges Schnellschuß-Projekt gewesen.


Dazu muss ich kurz ausholen.
Ich freue mich jedes Jahr auf eine Weihnachtsfeier in meinem frz. Lieblingsrestaurant hier. Da gibt es dann ein tolles Menü, den ganzen Abend fließt Sekt in Strömen und es wird zu guter Live-Musik getanzt. Hauptsächlich gehe ich aber wegen der Leute hin. Denn die Mischung aus wichtigen Leuten, scheinbar wichtigen Leuten, Künstlern und Möchtegern-Bohèmiens ist immer sehr unterhaltsam. Auch nehmen alle diese Feier zum Anlass, sich mal richtig herauszuputzen. Für mich (die als Musiker-Anhängsel freien Eintritt hat... hehe) ist das immer DIE Gelegenheit zum Schickmachen.

Ich hatte in den Tagen vor der Feier eine bestimmte Sorte Kleid im Kopf und habe hier nichts gefunden. Weder in meinem Kleiderschrank, noch in irgendeinem Laden, denn Zeit zum Nähen hatte ich eigentlich gar keine. Ich verzweifelte, wollte aber nicht einen Riesen-Batzen Geld ausgeben für einen Fummel, der mir nicht hundertprozentig gefällt.

So kam es, dass ich am Tag der Feier, die um 19 Uhr beginnen sollte (den Schnitt hatte ich immerhin am Vorabend rausgeradelt) um 16 Uhr (!!) loszog um einen auberginefarbenen Romanit zu kaufen. Dies war übrigens meine erste Begegnung mit dieser Stoffart, und ich bin voll überzeugt worden. Dazu gab´s einen Fetzen Leoparden-Fake-Fur.
Zum Glück waren die Kinder verräumt (ich trink doch nicht den ganzen Abend Sekt und steh dann um 7 Uhr wieder auf der Matte...), sodass ich vollkonzentriert loslegte. Den Schnitt habe ich in Gr. 38/40 rausgeradelt, aber das war mit dem dehnbaren Romanit später kein Problem. (Wie man schön sehen kann, sitzt das Kleid auch keinesfalls so schön locker, wie in der Zeitschrift präsentiert, sondern ist sehr figurnah...) Eine 2cm-Verlängerung kam im oberen Vorder- und Rückteil wie üblich dazu, es hätte sogar noch ein wenig mehr sein können.


Und dann habe ich einfach losgenäht. Der Schnitt war recht schlicht gehalten und bis auf den Kragen und den langen Reißverschluß hinten gab´s keine Stellen, die mich großartig aufgehalten haben. Die Säume habe ich unkompliziert eingeschlagen und abgesteppt. Und die Ärmel habe ich so la la eingehalten. Faltig und unsauber... So genau muss es alles nicht sein, schließlich ist es am Abend schummrig, dachte ich mir.

Was soll ich sagen, ich hatte einen späten, aber einen super Auftritt! Bin erst um 23 Uhr eingetrudelt, aber je später der Abend... und so weiter.
Vor allem habe ich mit dem schlichten Schnitt und der zugeknöpften Optik ganz gegen den Trend des Abends gearbeitet. Dort waren große Ausschnitte, ärmellose Kleider, KURZE Kleider und Spitze en masse zu sehen. Kurzum: es wurde gezeigt, was man hat, was man bei diesem Modell ja wirklich nicht tun kann.
Aber das ist auch nie meine Absicht, und so fühlte ich mich pudelwohl und hatte meinen riesen Spaß, der erst um 6 Uhr in der Früh ein Ende fand.
Für dieses Jahr bin ich noch am Überlegen, Anfang Dezember ist es wieder soweit, und diesmal gehe ich das nicht auf die letzte Sekunde an!


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Kommentare:

  1. Dieser Kragen an dem schlichten Kleid - einfach toll. Dein Nähabenteuer hat sich gelohnt.
    LG
    Susanne

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    1. Danke! Ich mag die Kombi "schlicht-mit einem extravaganten Detail" auch.
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  2. Ja, die Größen in den alten Heften sind tückisch, da rutscht man einfach mal ein bis zwei Größen nach oben. Und natürlich ist es von Firma zu Firma auch noch unterschiedlich, wie heute auch. Es ist schon fast so, dass ich mich da eher bei der "reiferen Frau" finde - irgendwie schon etwas befremdlich. Tja, wahrscheinlich bin ich das einfach aus der damaligen Sicht!
    Blöd, das Kleid sieht sehr schön aus. Kannst du nicht die Borte abmachen und in der Seiten naht jeweils einen Stoffstreifen einnähen? Wäre doch wirklich zu schade. Lieber die Borte dann woanders vernähen (oder vielleicht hast du ja noch ein längeres Stück übrig).

    Sehr spannend, die Entstehungsgeschichte deines Weihnachtskleides. Ich hätte sicher kapituliert, an deiner Stelle. Und du kannst 60er auch gut tragen.

    LG frifris

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    1. Danke! Ja, bin schon so oft baden gegangen mit diesen Größenunterschieden, aber jetzt habe ich es gelernt, glaube ich. Und es ist mir auch ein Rätsel, wer damals sich was in Gr. 36 oder gar 34 (Das muss eine jetzige Size Zero sein!) genäht haben soll. Twiggy-Typen halt...
      Für das dunkelblaue Kleid sehe ich allerdings schwarz...

      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  3. Der Leokragen ist ein wunderbarer Kontrast zum "braven" Kleid.
    Schön, deine holter-polter Nähaktionsgeschichte.
    LG Susanne

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    1. Danke, Susanne! Ja, das war eine fast kranke Aktion... ist zum Glück nicht immer so.
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  4. Aaahahahaha, die Geschichte hätte von mir sein können ... für abends mal schnell Stoff für ein Kleid kaufen gehen ... Im Gegensatz zu Deiner Story hätte meine jedoch kein "Happy end" gehabt ... ich wäre kreischend über dem zugeschnittenen Stoffhaufen zusammengebrochen und wäre dann um 23.00Uhr frustriert ins Bett gegangen, weil eh schon alles zu spät ... und so ...

    Aber Du hast es geschafft und ein beeindruckendes Kleid geschaffen: Respekt!
    Christel

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    1. Danke, Christel, ich war auch ganz kurz vor der Aufgabe. Aber was tut Frau nicht alles, um Eindruck zu schinden. Eigentlich ist es armselig... :-)

      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  5. Wenn ich um 16 Uhr losziehen würde um Stoff zu besorgen, würde ich mit 100% Sicherheit die Nacht statt auf der Weihnachtsfeier vor der Nähmaschine verbringen :). Ich habe keine Ahnung wie du es geschafft hast, aber in der kurzen Zeit hast du ein tolles Kleid gezaubert.

    Das mit deinem UFO-Kleid finde ich sehr schade. Ich würde an deiner Stelle wirklich überlegen, ob man an den Seiten das Kleid nicht irgendwie „erweitern“ kann. Das müsste doch möglich sein und würde bestimmt nicht auffallen. Ich hoffe sehr, dass du das Kleid noch retten kannst!

    Liebe Grüße
    Yvonne

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    1. Danke, Yvonne! Das habe ich nur in der kurzen Zeit geschafft, weil ich nicht so sauber arbeite wie du! Schau dir diese Ärmel an. Folge ist also, dass ich das Kleid auch für den Rest seiner Existenz nur im Dunkeln tragen kann, wenn ich nicht wieder alles auftrennen will.
      Ich habe beim UFO-Kleid entdeckt, dass ich einen Mottenfraßloch (Stoff lag über Jahre bei meiner Oma) übersehen habe. Auch habe ich keinen Fetzen des Stoffes mehr übrig. Ich denke, ich lasse das für dieses Mal und trenne die Borte ab.
      Irgendwann wage ich mich nochmal mit einem anderen Stoff dran (vielleicht auch Fake-Fur? Mir juckt es schon ein bisschen in den Fingern...), den Kragen mag ich nämlich sehr.

      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  6. Wow, dein Kleid ist ein absoluter Hingucker! Und Hut ab, dass du es so kurzfristig genäht hast und dann auch noch nach einem Vintage-Schnitt bei dem man ja auch nie weiß, wie er ausfällt. Da bin ich ja mal gespannt, was du dieses Jahr für ein Weihnachtskleid zauberst!

    LG Julia

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    1. Vielen Dank, Julia!

      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  7. Mannomann ! Du hast dieses brave rosa Originalteil aber mittels Farbwahl und natürlich des Kragens ganz schön gerockt ! Sieht super aus . Und wenn 's ein Schummerlichtkleid ist - so what ? Die Maßangaben und Grössentabellen können einen echt verzweifeln lassen - umso mehr wenn es alte Schnitte sind . Ich denke die Frauenfiguren haben sich geändert und vor allem trug frau in der Zeit aus der das Kleid stammt ja meistenteils noch richtig schreckliche sogenannte " Miederwaren " - ich erinnere mich jedenfalls an ein Hüfthalter - Einzwängmonster aus dieser Zeit - ich habs gehasst !
    LG Dodo

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    1. Danke, liebe Dodo! Oh ja - in den alten Burdas gibt es zuhauf Werbung für solche Einzwängmonster... und die Texte dazu! Einfach nur krass. Ich muss echt mal einen extra Post dazu machen.

      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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  8. Danke für deinen Kommentar, und genauso sehe ich das auch ;-)
    Dein Kleid ist aber auch schick! Der Kragen ist ja der Hammer!! Sehr schick was du da "mal eben" gezaubert hast!
    LG Sylvie

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  9. Vielleicht passt das Kleid ja mir? xxxxx Anonymus
    ist doch ganz anständig bis zum Knie oder?

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Danke für´s Kommentieren!