Donnerstag, 17. Oktober 2013

Getaggt...

Es gibt was zu erzählen, denn ich bin von Signora Rossi  getaggt worden. Mittlerweile haben wohl viele von euch bereits mitbekommen, worum es dabei geht: um eine Blogger-Rundbrief-Fragebogenaktion, in der man von einer Bloggerin 10 Fragen gestellt bekommt, diese beantwortet und sich dann selbst 10 Fragen ausdenkt, die man gerne jemandem stellen würde.
Ich als Blogging-Anfängerin bin ja völlig ahnungslos, was solche Dinge angeht. 
Aber die Nachricht, die ich bekommen habe, war so überaus nett, dass ich gar nicht den Eindruck hatte, es handle sich hier um einen Kettenbrief. Ich beantworte deine Fragen also sehr gern, liebe Signora Rossi!


1. Seit wann nähst du, und wie bist du dazu gekommen?

Ich nähe seit 2005. Angefangen hat es mit der Freundin einer Kommilitonin, die sich ihre komplette Garderobe selbst genäht, gehäkelt und gestrickt hat. Sogar ihre extravaganten Hüte hat sie selbst gemacht. Ich kann mich auch erinnern, dass sie sich mal ein Kleid aus Kunstrasen genäht hat, und das sah super aus! Diese vor Kreativität nur so sprühende Frau hat nebenbei noch gesungen, Klavier gespielt und natürlich studiert. Dafür ist sie auch jeden Tag um 5 Uhr aufgestanden, um ihr tägliches Pensum an Handarbeit und allem anderem zu schaffen, aber das nur nebenbei.
Diese Freundesfreundin also hat immer perfekt gestylt ausgesehen und ich habe ihre Fähigkeiten sehr bewundert.
Nun muss man wissen, dass ich sehr schnell dabei bin zu sagen "das kann ich auch". Natürlich kenne ich meine Grenzen, aber trotzdem habe ich keine Scheu vor Neuem und bin immer bereit zu lernen. Außerdem hatte ich schon immer ein Problem damit, wenn jemand das gleiche anhatte wie ich. (Schon für meinen Abiball bin ich in eine Stadt 100km entfernt gefahren um mir ein Kleid zu kaufen.)
In dem Moment also, als ich nach dem Studium umgezogen bin und von meiner Oma eine alte Veritas bekommen habe (das war die DDR-Nähmaschinenmarke), ging ich das Thema konkret an. Die Maschine konnte man zwar kaum heben, ich glaube sie war aus Gußeisen, und man musste zum Rückwärtsnähen den Stoff zu sich ziehen (keine Rückwärtstaste und erst recht keine auch nur halbautomatischen Knopflöcher), aber das war ein superrobustes Teil und perfekt zum Nähenlernen. Mit der Burda easy fashion habe ich mir das meiste selbst beigebracht und bin dann recht schnell bei Patrones und Burda gelandet. Dem Umstand, dass ich zunächst keinen Nähkurs besucht habe, verdanke ich, dass ich die ersten 2 Jahre praktisch nichts Tragbares produziert habe. Naja, man kann sagen, ich habe ordentlich Lehrgeld bezahlt...


2. Was war dein erstes Kleidungsstück?

Ich bin mir gar nicht sicher, ehrlich gesagt. Ich glaube, es war ein Rock aus der easy fashion. Mein erstes Stück aus einer Patrones kurz darauf war ein Mantel, und der Kreativ-Direktor von Max Mara hätte sich krumm und schief gelacht, wenn er das Ergebnis gesehen hätte. Krumm und schief waren nämlich auch die Nähte!


3. Wie kamst du dazu über´s Nähen/Handarbeiten zu bloggen?

Ich habe seit längerem einige Blogs mit großem Interesse verfolgt. Besonders den Me Made Mittwoch fand ich immer toll und habe sehr bedauert nicht mitmachen zu können. Und nachdem ich (tatsächlich an Silvester) letztes Jahr den Entschluß gefasst habe, meine überquellende Stoffkommode zur Hälfte zu verarbeiten, kam mir der Gedanke, ein Blog könnte mich ein wenig mehr zum Nähen anhalten, denn in letzter Zeit hatte ich mir nur noch wenig Zeit dafür genommen. 
Außerdem habe ich in meinem persönlichen Umfeld hier niemanden, mit dem ich mich über die Näherei so richtig austauschen kann. Und wenn ich GANZ ehrlich bin, ist auch Eitelkeit ein Grund: ich will einfach herzeigen, was ich geschafft habe und nicht die einzige sein, die meine selbstgenähten Klamotten toll findet...;-)


4. Hat sich durch deinen Blog etwas an deinem Nähverhalten geändert?

Ja, ich bin wieder mehr im Thema drin und nähe viel mehr als im letzten Jahr, definitiv. 
Ich nutze die freien Abende konsequenter und habe z.B. durch den Kostüm Sew Along einen wunderbaren Druck bekommen, endlich mal wieder einen Blazer zu nähen und es noch einmal mit einer Burda-Hose zu versuchen. Ohne Druck geht bei mir offensichtlich nichts. Deshalb mache ich ihn mir mit dem Blog selber!


5. Kennst du andere Bloggerinnen persönlich?

Lucy von Nahtzugabe habe ich mal im letzten Jahr kennengelernt, noch bevor ich den Blog begonnen habe. Damals war sie auf der Suche nach einem Knäuel einer bestimmten Wolle, die ich zufällig zuhause hatte. Und da ein Berlin-Besuch anstand, konnte man die Übergabe wunderbar mit einem Besuch am Maybachufer-Stoffmarkt verbinden. Theoretisch. Leider vergaß ich das Knäuel im Koffer und musste es dann doch per Post schicken. Peinlich... Trotzdem war es sehr nett sie kennenzulernen! Ansonsten wohne ich in einer Gegend von Bayern, die nach meinem bisherigen Kenntnisstand nur eine sehr geringe Nähblogger-Dichte aufweist, aber ich hoffe, ich werde noch die eine oder andere Bloggerin persönlich kennenlernen...:-)


6. Woher holst du deine Anregungen?

Ich stöbere gern in anderen Blogs herum und lasse mich dort auch z.T. inspirieren. So gibt es ja einige Schnittmuster (von Mc Call´s z.B.), um die ein regelrechter Hype entstanden ist - das eine oder andere muss ich da auf jeden Fall nachnähen. Ansonsten habe ich einen recht unflexiblen 70er-Jahre-Stil, an dem ich festhalte. Die Burdas zwischen 1969 und 1974 entsprechen mir da am meisten. Ich halte mich auch ziemlich auf dem Laufenden über die aktuellen Designerkollektionen und picke mir da immer einige Modelle heraus, die ich gern realisieren möchte. (Dabei ziehe ich dann auch aktuelle Burdas/Patrones zu Rate, die ich natürlich ebenfalls zuhauf besitze.) Komischerweise sehen diese herausgepickten Modelle in jedem Jahr immer ähnlich aus... so wie es scheint, habe ich meinen Stil gefunden und lasse mich auch nicht davon abbringen. 
Ach ja, und eine herrliche Inspiration ist für mich auch "Das Schmuckstück", ein Film mit Catherine Deneuve, der in den 70ern spielt und phantastisch ausgestattet ist - für mich ist das alles eine Augenweide!


7. Wie gehst du beim Nähen vor? (Bist du z.B. ganz akkurat und heftest vorher oder sparst du sogar an den Stecknadeln? Gehörst du zu den Perfektionistinnen und nähst Probe- und Nesselmodelle oder geht du mehr so mit Gottvertrauen dran und lässt dich vom Ergebnis überraschen? Verwendest du einen Basisschnitt?)

Ich bin ganz sicher keine Perfektionistin. Im Laufe der Zeit und nach einigen Fehlschlägen habe ich mir immerhin angewöhnt, einen Blick auf die Maßtabelle zu werfen und danach die Größe auszuwählen. Bei allen Patronesschnitten und frühen Burda-Schnitten weiß ich außerdem, dass ich im Oberteil mind. 2cm zugeben muss, und auch Säume schneide ich meist großzügig, damit ich Spielraum habe. Ansonsten gehe ich wie folgt vor:
Ich nutze Kopierfolie und -stift, radle den Schnitt mit dem Rollschneider auf Schneidematte heraus, stecke ihn auf (ok, mit dem Fadenlauf nehme ich´s genauer und messe tatsächlich immer den Abstand zum Stoffrand, sodass der Fadenlauf stimmt) und schneide mit einer Nahtzugabe von 1cm nach Augenmaß zu. Damit lasse ich mir natürlich wenig Spielraum für Änderungen nach oben, aber meist fahre ich ganz gut damit. Markierungen übernehme ich nur andeutungsweise mit Schneiderkreide, nicht mit Heftfaden. (Das habe ich am Anfang mal gemacht... puh, die Mühe ist mir das nicht wert. Und dann flutscht auch noch ein Heftfaden raus, und alles ist für die Katz? Neenee.) Dann stecke ich mit Stecknadeln quer zusammen und nähe mit der Maschine über die Nadeln, wenn ich unsicher bin, mit großem Stich als Heftfaden, ansonsten gleich mit normalem Stich. Also alles eher mit Gottvertrauen, wie du so schön sagst. 
Kein Basisschnitt und bis auf eine Ausnahme keine Probemodelle.


8. Produzierst du auch UFOs und Teile für die Tonne? Und was machst du mit letzteren? Echt in die Tonne oder verschenken oder hortest du sie (wie ich)?

Und ob ich UFOs produziere. Für die Tonne habe ich am Anfang genäht, wie gesagt eigentlich die ersten beiden Jahre meiner Nähkarriere. Diese Teile habe ich tatsächlich weggeschmissen, natürlich nicht ohne vorher alle Knöpfe und Reißverschlüsse wieder herauszutrennen. Es gab aber auch in jüngerer Zeit einige UFOs, gern auch unter den Häkel- und Strickprojekten, die ich horte und auch nach und nach versuche fertigzustellen. Bei einem Kleid (vorgestellt hier) gebe ich auf und haue es weg, nachdem ich die Borte abgetrennt habe. Wie gesagt, ich kenne meine Grenzen... 


9. Hast du auch noch andere Hobbies außer Nähen und Handarbeiten?

Es gibt tatsächlich noch tausend Dinge, die ich gern machen und lernen würde. In den letzten drei Jahren sind Perlenhäkeln und -fädeln dazugekommen (da  hatte ich Anfang des Jahres eine krasse Phase, nehme mir aber momentan keine Zeit dafür) und Seife herstellen (habe jetzt mit Hinblick auf Weihnachten wieder angefangen... da kommen doch auf einen Abend deutlich mehr Geschenke zusammen als mit der Näherei und Strickerei!). Ansonsten male ich sehr gern und warte derzeit darauf, dass die Muse mich wieder küsst...  Außerdem treibe ich gern Sport - auch hier mag ich´s nicht schweißtreibend: Bogenschießen und Yoga sind meine Sportarten. Da ich eigentlich nicht aus Bayern stamme, hat mich ersteres dazu gebracht mich vollends assimiliert zu fühlen: ich bin mit meinem Bogenschießverein im Bayerischen Sportschützenbund und habe einen Schützenausweis... :-) Klingt doch lustig, oder?
Lesen (derzeit "1913" von Florian Illies - große Empfehlung!) und Musikhören (viel Jazz und Singer-/Songwriting) sind für mich keine Hobbies sondern Grundbedürfnisse. 


10. Und wie bringst du das alles unter einen Hut?

Gar nicht, würde ich sagen. Ich habe permanent das Gefühl, zuwenig Zeit zu haben und habe ernsthaft ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal einen Abend in diesem Sinne ungenutzt verstreichen lasse. Und Familie und Arbeit (auch wenn es im Homeoffice und nur halbtags ist) wären da auch noch... Ich gebe außerdem hier und jetzt zu, dass ich Abstriche beim Aufräumen und Putzen machen, d.h. man sieht unserer Wohnung an, dass ich nicht noch jeden Abend eine Stunde lang aufräume, wenn die Kinder schlafen... hüstel. Meist ist es ok, aber geschleckt ist was anderes. (Wobei mir supersaubere Haushalte mit kleinen Kindern sowieso suspekt sind.)
Zum Nähen nehme ich mir dezidiert die Abende vor, an denen der Gatte spielt (Musik), und stricken kann ich auch, wenn mal ferngesehen wird oder eine halbe Stunde am Nachmittag zum Teetrinken. Soviel Freiheit lassen mir die Kinder mittlerweile zum Glück. 
Sport mache ich meist am Wochenende vormittags, und Lesen tue ich am Abend im Bett, wenn ich nicht schon zu müde bin, denn ich gehe meist erst gegen Mitternacht in´s Bett... Soweit ist es aber noch nicht, dass ich um 5 Uhr in der Früh aufstehe (wie bei der Bekannten von oben), damit ich mein tägliches Strickpensum schaffe! 
Mir klingen allerdings immer noch die Worte meines Opas im Ohr, der mir früher eindringlich dazu riet, die Zeit zu nutzen. Als Kind denkt man sich "Jaja, ist doch noch so viel Zeit, was hast du denn nur??", aber mittlerweile weiß ich, was er meinte und versuche mich daran zu halten...


So, liebe Frau Rossi, das waren ja dankbare Fragen (ich habe gleich ein paar übernommen...:-), und es war mir ein Vergnügen sie zu beantworten! 
Ich darf nun meinerseits Tina und Frau von Welt dazu einladen, meine Fragen zu beantworten, wenn sie möchten!

1. Seit wann nähst du, und wie bist du dazu gekommen?
2. Wie kamst du dazu über´s Nähen/Handarbeiten zu bloggen?
3. Hast du ein bevorzugtes Modejahrzehnt oder bist du in der Wahl deiner Nähprojekte stilistisch ganz spontan/flexibel?
4. Wo holst du dir deine Anregungen?
5. Was kommt bei dir zuerst? Der Stoff, der Schnitt oder die Idee? (Ich z.B. kaufe meist zuerst den Stoff, der mich anlacht und habe dann schon ungefähr die Art des Kleidungsstücks im Kopf, das ich daraus machen möchte - dementsprechend schätze ich die Stoffmenge ab, die ich benötigen werde.)
6. Wo holst du dir Hilfe, wenn du nicht weiterweißt?
7. Welche Nähatmosphäre herrscht bei dir? (Ich z.B. höre meist Hörbücher dazu, um die fehlende Zeit zum Lesen auszugleichen...;-)
8. Arbeitest du konsequent ein Stück fertig oder werkelst du an mehreren Projekten gleichzeitig (so wie ich)? Welches sind deine aktuellen Projekte?
9. Hast du noch andere Hobbies außer Handarbeiten?
10. Und wie bringst du das alles unter einen Hut?  






Kommentare:

  1. Vielen lieben Dank fürs Beantworten, das war ja wirklich äußerst vergnüglich und interessant!
    Das Kunstrasenkleid hätte ich ja zuuu gerne gesehen, willst du dir nicht auch mal eins nähen, dass wir es uns vorstellen können ;-) ?
    Yoga mache ich auch, aber Bogenschießen ist ja eine tolle Sportart!!
    Beim Nähen mach ich es so ähnlich wie du, allerdings hab ich noch nicht so richtig im Gefühl, wieviel ich zugeben muss, etc.
    Deshalb liebe ich die englischen/amerikanischen Schnitte so, da sind immer die Kleidermaße angegeben.
    Bei Vintageschnitten mache ich doch manchmal Probeoberteile aus IK*A-"Bomull" oder ich nähe zumindest das Futter vor dem Oberstoff zusammen und schaue, was ich ändern muss...
    Jaja, der Haushalt...man muss eben Prioritäten setzen, ich mach das genauso!
    Viele liebe Grüße von Katharina

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    1. Das Kleid war echt witzig: schulterfrei und bodenlang, mit lauter weißen Plastik-Margeriten drauf. Stimmt, das Futter zuerst nähen, habe ich auch schon gemacht. Und Bogenschießen ist echt toll. Vor allem machen das so wenig Frauen, dass man bei Wettkämpfen relativ schnell gut dasteht... ;-)
      Liebe Grüße,
      Nastjusha

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